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Karte 6: Diphthongierung mhd. î/iu (V34) > ei/ai

Im Großteil der west- und ostjiddischen Dialekte sind mhd. î und iu (V34) zu ai zusammengefallen (vgl. LCAAJ 1: 77; Timm 1987: 206). In unseren Daten ist diese Entwicklung in den Graphien <ai> und <ei> vielfach zu finden.
Im Zentralostjiddischen, im östlichen südlichen Übergangsjiddisch und im südlichen Südostjiddisch ist Mhd. î zu a(ː) monophthongiert worden (vgl. LCAAJ 1: 77;Timm 1987: 206). Eine solche Monophthongierung von mhd. î zu a: findet sich nicht selten in unseren Quellen zum Westjiddischen. Dies könnte zum einen ein Indiz dafür sein, dass das zentralostjiddische und südostjiddische System (zumindest in einzelnen Lexemen) bis ins Westjiddische hinein streut. Zum anderen (und weitaus plausibler) ist die Annahme berechtigt, die westjiddischen Belegen für mhd. î als a: als Reflex der westjiddischen Monophthongierung von mhd. ei (V24) > a: zu verstehen (vgl. Karte 1) . Demnach müsste diese während der sog. Frühneuhochdeutschen Diohthongierung von Mhd. î > ei stattgefunden haben. So wäre zu erklären, dass einzelne Lexeme aus Mhd. î (V34) > Nhd. ei sich im Westjiddischen zu a: analog zu V24 entwickelt haben. Ein drittes denkbares Szenario zur Erklärung der Belege von a: für mhd. î nimmt eine Übergeneralisierung des Unterschieds Nhd. ei (< mhd. ei/î) vs. Wj. a: (< V24) bei den Autoren unserer Quellen an. Vor allem bei nicht-jüdischen Autoren des Samples ist diese Strategie durchaus annehmbar.
Der Diphthong ai < mhd. iu ist in den deutschen Dialekten (insbes. in den östlichen Dialekten) weit verbreitet (vgl. WA Karten Nr. 319, 463, 497, 519, 542; KDSA Karte Nr. 410). In unseren Texten des Westjiddischen ist der Diphthong im gesamten Erhebungsgebiet zu finden. Die Graphie variiert stark zwischen <ai> und <ei>. Einheitlicher sind die hebräisch-schriftlichen Texte; hier steht konsequent <יי>. Insbesondere im Vergleich zur Graphie des Diphthongs aus mhd. oe und ê (V22; vgl. Karte 4) deutet diese Schreibung auf eine Aussprache des Diphthongs als /ei/ hin.
Die Verteilung der Datenbelege auf die Konfessionen – inklusive der nicht kartierbaren Daten – gestaltet sich wie folgt:

jüd. Quellen chr. Quellen Konfess. unklar
26 21 3




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.:  Westjiddisch im (langen) 19. Jahrhundert  /  Philipps-Universität Marburg  :.