Spanische Kunst > Jakobsweg> Codex Calixtinus

 

 

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Wie erwähnt besteht das "Liber Sancti Jacobi" aus fünf Teilen:


Teil I:

Predigten (z.B. Veneranda dies), liturgische Texte und Messformulare - war ebenso wie Teil II für den liturgischen Gebrauch vorgesehen. Im Mittelpunkt steht allein der hl. Jakobus, der als biblisches Vorbild und Leitfigur dargestellt wird - jedoch immer in Verbindung mit seiner Grabstätte in Compostela. Die Predigt "Veneranda dies"(- der ehrwürdige Tag) wurde am Tag des Translationsfestes, am 30. Dezember, vorgetragen.


Teil II:

Bericht über 22 ausgewählte Wunder des hl. Jakobus, die aus Galicien, Deutschland, Italien, Ungarn und Dazien überliefert sind und sich in Italien, Deutschland und Frankreich, besonders Südfrankreich, begaben. Diese Erzählungen lassen darauf schließen, dass der Jakobuskult zu diesem Zeitpunkt schon ein gesamteuropäisches Phänomen war.


Teil III:

Translation des Leichnams Jakobi nach Santiago - diese nur sieben Seite umfassende Narratio stellt das eigentliche Kernstück des Codex dar. Es berichtet von der Überführung des apostolischen Leichmans und soll die leibliche Präsens des Heiligen in Compostela "beweisen".


Teil IV:

sog. Pseudo-Turpin - Beansprucht eine Sonderstellung innerhalb des Gesamtwerkes. Der Bericht über den Feldzug Karls des Großen 778 gegen die Mauren und die angebliche Befreiung des Weges nach Santiago de Compostela durch den Frankenkaiser wird dem Erzbischof Turpin (oder Tilpin) von Reims 748/49-94 (daher der Name "Pseudo-Turpin") zugeschrieben. Die Schlachten Karls des Großen auf der Iberischen Halbinsel sind auch in den "Chansons de geste" und hier besonders im Rolandslied überliefert. Der hl. Jakobus spielt mit seinem Grabesort hierin zwar nur eine untergeordnete Rolle, doch für die in den "Codex Calixtinus" aufgenommene Fassung wurde die Erzählung an die Hauptperson angepasst. Die Verbreitung des Pseudo-Turpin im 11./12. Jahrhundert und der einsetzende Kult um den deutschen Kaiser ist im Zusammenhang mit der Kanonisierung Karls des Großen am 29.12.1165 durch den Gegenpapst Paschalis III. zu sehen. (s. Abschnitt Historische Hintergründe) >>


Codex Calixtinus, Santiago de Compostela,
Archiv der Kathedrale, Teil IV: Pseudo-Turpin.
Karl der Große zieht mit seinem Heer nach Spanien
(TUD Diathek)

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