In der Aktion erschienen literaturkritische Beiträge in Form von Glossen, offenen Briefen, Selbstanzeigen, Buchtipps, Autorenporträts, Nachrufen und Rezensionen. Längere Rezensionen wurden im Mittelteil publiziert, ein bis drei Kurzrezensionen von 15-30 Zeilen Umfang erschienen regelmäßig am Ende eines Heftes unter der Rubrik "Literarische Neuerscheinungen"; sofern sie ungezeichnet blieben, stammen sie wahrscheinlich vom Herausgeber. Den Abschluss bildete die Rubrik "Vornotizen", die auf in der Redaktion eingegangene, für eine Besprechung vorgesehene Neuerscheinungen hinwies, sowie eine "Zeitschriftenschau". Nur anfangs erschienen auch theaterkritische Beiträge. Auch metakritische Beiträge wurden publiziert, so 1911 eine mehrteilige Umfrage zum Thema "Was bedeutet Alfred Kerr für die zeitgenössische Literatur?"

Im ersten Jahrgang 1911 zählten zu den Rezensenten der "Aktion": Franz Pfemfert (der vermutlich für viele der ungezeichneten Kurzrezensionen verantwortlich war), Anselm Ruest (1878-1943), Kurt Hiller (1885-1972), Alfred Lemm (1889-1918), Viktor Fraenkl (1869-?), Ernst Balcke (1887-1912), Heinrich Lautensack (1881-1919), Erich Mühsam (1878-1934), Viktor Hadwiger (1878-1911), Emile Verhaeren (1885-1916), Heinrich Eduard Jacob (1889-?), Max Jungnickel (1890-1945), Nadja Strasser (1871-1955), Georg Brandes (1842-1927), Grete Meisel-Heß (1879-1922), Will Scheller (1890-1937), Alfred Kerr (1867-1948), Rudolf Kayser (1889-1964), Marie Holzer (1877-1924), Ferdinand Hardekopf (1876-1954).

1914, im vierten Jahrgang, zählten zu den Rezensenten: Franz Pfemfert, Franz Jung (1888-1963), Otto Erich Schmidt (?-?), Hugo Kersten (1892-1919), Georg Rudolph (1889-?), Anselm Ruest (1878-1943), Paul Meyer (1889-?), Hans Leybold (1894-1914), Hellmuth Wetzel (1893-1940), Max Brod (1884-1968), Erich Unger (1887-1950), Fr. M. Huebner (1886-?), und Paul Kraft (1896-1922).Funote

Die Funktion der Rezensionen bestand häufig in der (Eigen-)Werbung bzw. der Werbung für die expressionistische Literatur im allgemeinen, für den expressionistischen Autor, mit dem man befreundet war, im besonderen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 funktionalisierte Pfemfert Literatur und Literaturkritik endgültig um zu einem Mittel, auf für die Zensur verdeckte, unangreifbare Weise politische Kritik zu üben. Die Rolle des Kritikers war häufig die eines Freundes des AutorsTextbeispiel oder die eines Pädagogen. Entsprechend hymnisch-andächtig, positiv gehalten waren viele der literaturkritischen Beiträge in der "Aktion". Entgegen der Absicht der Expressionisten, mit ihren Texten und Zeitschriften in die gesellschaftliche Öffentlichkeit hinein zu wirken, beschränkte sich ihr Publikum weitgehend auf den Kreis der expressionistischen Autoren und Künstler selbst. Ein Hinweis darauf waren die "offenen Briefe", eine Textsorte, die oft dazu genutzt wurde, Auseinandersetzungen öffentlich auszutragen. Die Publikumsbindungwar im Fall der "Aktion" sehr eng.

Politisch motiviert war die Literaturkritik in den Kriegsjahren. Im "Kleinen Briefkasten" wandte sich Pfemfert in satirischen Glossen teils an Personen des Literatur- und Kulturbetriebs, darunter auch an Autoren und Literaturkritiker wie Ludwig Fulda oder Alfred KerrTextbeispiel, deren Chauvinismus er ironisch bloßstellte, teils beantwortete er reale oder auch fingierte Leseranfragen. Solche Anfragen konnten sich z. B. nach "zeitgemäßer" Lektüre richten, was Pfemfert dann Gelegenheit zu Buchempfehlungengab - Büchern, die Pfemfert seinen Lesern, unter denen in dieser Zeit nicht wenige Frontsoldaten waren, die die "Aktion" kostenlos erhielten, zur Lektüre empfahl, Titel mit anerkannt humanistischer und aufklärerischer Intention wie Tolstojs "Krieg und Frieden", Musils "Verwirrungen des Zöglings Törleß" oder Eckermanns "Gespräche mit Goethe" (vgl. Aktion, 5. Jg. 1915, Nr. 39/40, Sp. 503) [Link Textbeispiel].

In neuen Rubriken entwickelte Pfemfert Techniken "verdeckenden Schreibens" (Ursula Walburga Baumeister), mit denen er "zwischen den Zeilen" den Wahnsinn und die Unmoral seiner Zeit bloßstellte, ohne selbst angreifbar zu sein. Unter dem Titel "Ich schneide die Zeit aus" zitierte, kombinierte und montierte Pfemfert exemplarische Textstellen, Kommentare oder Berichte aus Zeitungen oder anderen Publikationen, mit genauer Angabe der Fundstelle, häufig sogar in faksimilierter Form.Funote Das Zitieren bzw. die Kombination verschiedener Passagen reichten aus, den in diesen Äußerungen (von Politikern, Journalisten, Theologen, Literaten u. a.) enthaltenen menschenverachtenden Irrsinn zu entlarven. Häufig montierte Pfemfert die von ihm ausgewählten Textstellen auch so, dass sie sich gegenseitig kommentierten. Gelegentlich verwendete Pfemfert auch ironisierende Hervorhebungen, Kursivierungen oder Spationierungen.Funote