Die Bedeutung der "Aktion" für den Expressionismus kann kaum überschätzt werden. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Momenten:

  1. dem Engagement für die junge Lyrik,
  2. der Kritik an der Wilhelminischen Gesellschaft und
  3. dem Engagement für Pazifismus und Völkerverständigung in den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs.

Pfemfert stellte seine Zeitschrift als Publikationsorgan einer Vielzahl junger, noch unbekannter Lyriker zur Verfügung, brachte später auch Auswahlbände an expressionistischer Lyrik heraus. Zu den Autoren, die Pfemfert entdeckte bzw. förderte, gehören z. B. Georg Heym, Ernst Blass, Else Lasker-Schüler, Alfred Wolfenstein, Gottfried Benn, Ernst Stadler, Iwan Goll und Johannes R. Becher. Als Literaturvermittler und -kritiker erwarb sich Pfemfert große Verdienste für die Durchsetzung und Anerkennung des Expressionismus.

In den Jahren vor dem Krieg warnte Pfemfert in seinen Leitartikeln immer wieder vor der Gefahr eines Krieges. Auch im Sommer 1914 gehörte Pfemfert zu den wenigen, die sich nicht von der allgemeinen Kriegseuphorie anstecken ließen; er zeichnete sich die ganzen Kriegsjahre hindurch durch moralische Integritätaus.Funote Allerdings beschränkte er sich nach dem Kriegsausbruch im August 1914, als die Zensur die Publikation kritischer oder pazifistisch gesinnter Artikel unmöglich machte, auf die Veröffentlichung literarischer, essayistischer und literaturkritischer Beiträge:"FREUNDE DER AKTION, LESER, MITARBEITER! / DIE AKTION wird in den nächsten Wochen nur Literatur und Kunst enthalten. / Soweit es von meiner Kraft abhängt, von meinem Wollen, wird unsere Zeitschrift ohne Unterbrechung weitererscheinen. Berlin, den 5. August 1914. Franz Pfemfert." (Aktion, 4. Jg. 1914, Nr. 32/33, Sp. 693) Doch von dem Schein einer Flucht aus der Politik in die Elfenbeintürme der Kunst ließen sich allenfalls die staatlichen Zensoren täuschen: Tatsächlich waren Literatur und Literaturkritik für Pfemfert nur ein Mittel, politische Kritik zu artikulieren, ein Deckmantel, unter dem er seine kriegskritischen Ansichten publizieren konnte. So ließ er z. B. Sonderhefte zu den Literaturen von "Feindstaaten" wie England, Russland oder Frankreich erscheinen und half auf diese Weise, die Ideen von Völkerverständigung und Frieden auch während des Krieges wachzuhalten. Auch die Lyrik, die frühexpressionistische Dichter, von denen viele zu dieser Zeit als Soldaten an der Front waren, Pfemfert schickten und die unter dem beredten Titel "Dichtungen vom Schlacht-Feld" veröffentlicht wurden, hatte wenig gemein mit den vielen chauvinistischen Kriegsdichtungen arrivierter Autoren. Nicht wenige von Pfemferts Mitarbeitern ließen ihr Leben an der Front; Pfemfert ehrte sie mit Todesanzeigen, die mit der üblichen "Ehrung ruhmreich fürs Vaterland gefallener Soldaten" gerade nichts gemein hatten, sondern stets deutlich machten, dass die Toten nicht freiwillig in den Krieg gezogen waren. In Rubriken wie dem "Kleinen Briefkasten"("Über Ludwig Fulda"Textbeispiel, "Gespräche mit Goethe"Textbeispiel)und "Ich schneide die Zeit aus" rechnete Pfemfert mit Intellektuellen ab, die sich in den Dienst der allgemeinen Kriegspropaganda stellten, und dokumentierte Chauvinismus und Inhumanität der bürgerlichen Presse. Pfemfert ließ seine Zeitschrift für die Soldaten kostenlos an die Front schicken.Funote