Die "Aktion" verstand sich von Anfang an als sowohl politische als auch literarisch-künstlerische Zeitschrift. Das wird auch an dem Untertitel deutlich, den Pfemfert seiner Zeitschrift im ersten Jahr gab: "Zeitschrift für freiheitliche Politik und Literatur". Beide Aspekte wurden nicht etwa als Gegensätze gesehen, sondern, für den Expressionismus typisch, als notwendige Einheit. Die Kunst hatte stets auch eine moralisch-politische Verpflichtung und stand im Dienst der Erneuerung der Gesellschaft. Zweck der "Aktion" war es, eine Art Sammelbecken und Plattform der jungen, revolutionär gesinnten Intellektuellen zu sein. Zugleich sollte die "Aktion" dazu dienen, junge, noch erfolglose Autoren, die im kapitalistisch strukturierten Presse- und Literaturbetrieb keine Chance auf Publikation erhielten, ein Forum für ihre Werke zu bieten.

Den ersten Heften seiner Zeitschrift fügte Pfemfert folgende programmatische Note bei: "'Die Aktion' tritt, ohne sich auf den Boden einer bestimmten politischen Partei zu stellen, für die Idee der Großen Deutschen Linken ein. 'Die Aktion' will den imposanten Gedanken einer ‚Organisierung der Intelligenz' fördern und dem lange verpönten Wort ‚Kulturkampf' (in einem freilich nicht bloß kirchenpolitischen Sinne) wieder zu seinem alten Glanze verhelfen. In den Dingen der Kunst und der Literatur sucht ‚Die Aktion' ein Gegengewicht zu bilden zu der traurigen Gewohnheit der pseudoliberalen Presse, neuere Regungen lediglich vom Geschäftsstandpunkt aus zu bewerten, also sie totzuschweigen. Bei vollkommener Unabhängigkeit von Rechts und von Links ist ‚Die Aktion' eine Tribüne, von der aus jede Persönlichkeit, die Sagenswertes zu sagen hat, ungehindert sprechen kann. ‚Die Aktion' hat den Ehrgeiz, ein Organ des ehrlichen Radikalismus zu sein." (Aktion, 1. Jg. 1914, Nr. 1, Sp. 24)

Die "Aktion" organisierte den Widerstand gegen die Wilhelminische Gesellschaft, gegen Militarismus und Chauvinismus, gegen die Unterdrückung des einzelnen in einer patriarchalischen Gesellschaft, gegen das Schul- und Bildungssystem. Der Intellektuelle, der Literat und Dichter zumal, sollte sich politisch engagieren. Kurt Hiller, einer der wichtigsten Programmatiker des Frühexpressionismus, prägte dafür den Begriff "Aktivismus"Funote. Der mit Pfemfert befreundete Expressionist Ludwig Rubiner schrieb:"Der Dichter greift in die Politik, dieses heißt: er reißt auf, er legt bloß. Er glaube an seine Intensität, an seine Sprengungskraft." (Aktion, 2. Jg. 1912, Nr. 23, Sp. 715) Häufig beschworene Schlagworte waren "Geist" und "Intelligenz", die endlich in der Gesellschaft aktiv werden, handeln sollten. Aufgabe des intellektuellen Menschen im geistfeindlichen Kaiserreich war es, seine Stimme zu erheben und sich für eine Wandlung (des Einzelnen, der Gesellschaft) zu engagieren. Als Vorbild für dieses Engagement galten den Autoren der "Aktion" neben Alfred Kerr und Karl Kraus vor allem Heinrich Mann, dessen Essay "Geist und Tat" richtungsweisend war.

Schon der Titel der Zeitschrift war für das politische Engagement Programm: Aktion. "Die politische Zeitschrift lebt von Profilierung und Kritik, Angriff und Satire. Sie ist alles - nur nicht passiv. Ihre Aggressivität und Aktivität versetzen sie unentwegt in Aktion. Ein Wort, dessen dynamischer Gehalt zum Titel einer der heftigsten expressionistischen-antimilitaristischen-pazifistischen Zeitschriften Deutschlands wurde, eben der ‚Aktion'". (Wilhelm Haacke, Die politische Zeitschrift 1665-1965, Bd. 1, Stuttgart 1968, S. 81) Gefordert wurde die konkrete Aktion, die Tat, die Umsetzung neuer moralischer Werte und Überzeugungen in gesellschaftliche Realität.

Anfang 1914 kam es zu einem Konflikt mit der Staatsanwaltschaft, die eine Ausgabe der "Aktion" beschlagnahmen ließ. Pfemfert reagierte darauf mit einer Art Grundsatzerklärung, die zugleich belegt, dass er sich um der historischen Bedeutung seiner Zeitschrift im Klaren war: "Hören Sie, Herr Staatsanwalt! DIE AKTION ist eine Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst. Für menschlichste Politik. Für (Verzeihung, Leser und Mitarbeiter) erstklassige jüngste Literatur. Für jüngste, heiligste Kunst. Die Besten, Herr Staatsanwalt, sind meine Mitarbeiter. Die Besten, Herr Staatsanwalt, sind meine Leser. Was in den drei vergangenen Jahren in meiner Zeitschrift gedruckt worden ist, es ist so wertereich, so voll heißen Lebens, so (Gott, ein populäres Wort noch!) pyramidal, daß kommende Historiker der Literatur, der Kunst, der Politik die Geschichte des heutigen Deutschlands nicht schreiben werden, ohne die AKTION studiert zu haben. Der Literaturhistoriker z. B. wird dann feststellen: Das wichtigste, temperamentvollste, mutigste, moralischste Wochenblatt der jungen Generation um 1910 war die Berliner AKTION. Hier (wird der Geschichtsschreiber sagen) haben die besten Köpfe des Jungen Deutschland ihre ersten Schlachten geschlagen, hier haben Dichter wie ... (ich könnte prophetisch Namen nennen, Herr Staatsanwalt, aber Sie sind literarisch sicher ‚unbewandert') ... Dichter wie ... ihren Weg zur Öffentlichkeit gefunden, hier hatte eine Stätte, wer das Deutschland von Krupp, Presber, Otto Ernst und Moabiter Glaspalast haßte. Das (und Ruhmvolleres) werden einst die Historiker von der AKTION melden, Herr Staatsanwalt." (Aktion, 4. Jg. 1914, Nr. 21, Sp. 445f.)