Bis zur Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 war die Literaturkritik der Zeitschrift stark politisiert: Der Kulturteil musste zu dieser Zeit die im Hauptteil offen nicht mögliche politische Funktion, z. B. der Bildung und Aufklärung des Proletariats im Sinne der marxistischen Gesellschaftstheorie, mit übernehmen. Ästhetisch zeigen die Rezensionen dieser Zeit eine Nähe zu den Positionen der Frühnaturalisten, etwa in der Absage an die Phrasen- und Schablonenkunst der Gründerzeitliteraten. Sozialistische Literaturkritiker wie Wilhelm Blos versuchten im Gegensatz zur offiziellen Literaturgeschichtsschreibung etwa der Scherer-Schule auf demokratisches und politisches Engagement von Autoren in der deutschen Literaturgeschichte aufmerksam zu machen.

Wichtige Wertmaßstäbe bzw. Wertungskriterien für die sozialistischen Rezensenten waren etwa die Darstellung der Lage der Arbeiter und die Schilderung der sozialistischen Arbeiterbewegung, die Darstellung gesellschaftlicher Missstände oder des Einflusses des Warencharakters auf die Gesellschaftsordnung. So lobte Wilhelm Blos 1883 in einer Besprechung die Wiener politischen Dichtungen von 1848, "die in rührender Einfachheit und Einfalt den ehrlichen und treuherzigen Sinn jener Arbeiterbevölkerung ausdrücken, die sich am meisten für die neue Bewegung opferte und am wenigsten Vorteile davon hatte." (zit. n. Fülberth, Sozialdemokratische Literaturkritik vor 1914, S. 32)

Viele gerade der frühen Rezensionen in der "Neuen Zeit" waren stark inhaltsorientiert, formal-ästhetische Aspekte blieben weitgehend unbeachtet. Das primär politisch-ideologische Interesse an literarischen Werken (vor allem der bürgerlichen Literatur) sah in einer Dichtung vor allem ein sozialhistorisches Dokument. Entsprechend dominiert wurden die Rezensionen von ausführlichen Inhaltsangaben, worin sich auch eine Funktion der Popularisierung zeigen könnte: "da neue Bücher mit literarischem Anspruch für Arbeiter nicht erschwinglich waren und gewöhnlich auch nicht sofort in Arbeiterbibliotheken, die unter dem Sozialistengesetz ohnehin kaum arbeiteten, aufgenommen werden konnten, war eine Nacherzählung fast die einzige Möglichkeit der Vermittlung wenigstens des Inhalts eines neuen Werks." (ebd., S. 35)

Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes lässt sich zunehmend eine stärkere Trennung von politischer und ästhetischer Kritik feststellen. Da die politische Orientierung nach 1890 offen gezeigt werden konnte, erschienen mehr und mehr Beiträge im Feuilletonteil, die gar keinen politischen Bezug mehr hatten.

Der bedeutendste Literaturkritiker der Zeitschrift, Franz Mehring [Link AM], entwickelte maßgeblich die historisch-materialistische Methode: Mehring verstand Literaturwissenschaft bzw. -kritik als Teil einer allgemeinen Gesellschaftswissenschaft, die die Produktion von Kunstwerken nie abgelöst von politischen oder ökonomischen Ursachen untersuchen sollte.

Innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung, für die die Auseinandersetzung mit (bürgerlicher wie proletarischer) Kunst und Kultur von großer Bedeutung war, kam es immer wieder zu großen Debatten: In der "Naturalismus-Debatte" von 1891 bis 1896 wurde den Naturalisten von Seiten der Sozialdemokratie vorgeworfen, bei der Beschreibung des gegenwärtigen Elends stehenzubleiben, anstatt auch die zukünftige sozialistische Utopie mit einzubeziehen. In der "Schiller-Debatte" von 1905 kam es vor allem zwischen Franz Mehring und der Redaktion des "Vorwärts" zu einem Streit um ein sozialdemokratisches Schiller-Bild. Um die Möglichkeiten einer proletarischen bzw. sozialistischen Literatur ging es dagegen von 1910 bis 1912 in der "Tendenzkunst-Debatte": vielen sozialdemokratischen Literaturkritikern erschien eine proletarische Kunst erst nach einer Revolution für möglich, sofern es in der erwarteten sozialistischen Gesellschaft überhaupt noch Kunst geben würde.

Die Literaturkritik eines exemplarisch untersuchten Jahrganges, 1908, dem Jahr, in dem die monatliche Feuilletonbeilage unter der Redaktion Franz Mehrings eingeführt wurde) sah so aus: Jede der Beilagen begann mit einem längeren Aufsatz. 1908 waren das z. B. Aufsätze Mehrings über Fichtes "Reden an die deutsche Nation", "Karl Marx und das Gleichnis", "Alexander Herzen" sowie über "Naturalismus und Neuromantik" [Link Textbeispiel], ein Aufsatz von Herman Wendel über Stendhal, ein Essay von Heinrich Ströbel über Arno Holz' Drama "Sonnenfinsternis".

Nach dem Leitaufsatz kamen Aufsätze über aktuelle kulturelle und naturwissenschaftliche Themen, gelegentlich auch Autorenporträts. Unter der Rubrik "Vom Bildungsausschuß" wurde über aktuelle Entwicklungen etwa zur Frage von Klassikerbibliotheken für Arbeiter berichtet. Den Schluss bildeten drei bis vier längere und kürzere Rezensionen pro Beilage unter der Rubrik "Bücherschau". Den Abschluss der Beilage bildete die Rubrik "Lose Blätter", in der aus älteren Werken interessante Textstellen ausgewählt wurden, etwa Maximen von Lichtenberg.

Rezensenten dieses Jahrganges waren Karl Korn, Hermann Wendel, Therese Schlesinger und Robert Grötzsch.

Folgende Werke wurden 1908 besprochen: "Wenn der Schläfer erwacht" von H. G. Wells [Link Textbeispiele]; "Prinz Kuckuck" von O. J. Bierbaum, "Die Dämonen" von Dostojewski, "Ausgewählte Gedichte" von Giosué Carducci, "Der Kampf um Rom", "Nimmerlandsgeschichten" von J. B. Jensen, "Magister F. Ch. Lauthards Leben und Schicksale. Von ihm selbst beschrieben", "Geschichte der Philosophie" von Karl Vorländer, "Zwischen den Rassen" von Heinrich Mann [Link Textbeispiel], "Kinder-Idyllen" von Hermann Thurow, "Das Rad" von J. B. Jensen, "Erkenntnis und Wahrheit" von Josef Dietzgen, "Unsterblichkeit" von Hermann Graf Keyserling, "Poetische Reisen" von Karl Larsen, "Zwölf aus der Steiermark" von Rudolf Hans Bartsch, "Der goldene Stiefel" von Leonhard Schrickel, "Vagabunden" von Gerard van Hulzen, "Im Schatten der Titanen" von Lily Braun, "Das Hambacher Fest" von Wilhelm Herzberg, "Der Bürgerkrieg" von Jakob Brod, "Der Sieg der Stärkeren" von Heinrich Michalski, "Pantagruel" von François Rabelais, "Lucinde" von Friedrich Schlegel, "Vertraute Briefe über Friedrich Schlegels Lucinde" von Friedrich Schleiermacher [Link Textbeispiel], "Ludwigshöhe" von Hermann Bang [Link Textbeispiel], "Aus einer deutschen Botschaft" von Emil Witte, "Briefe von Otto Erich Hartleben an seine Frau", "Medizin und Überkultur" von W. His, "Gesammelte Gedichte" von Clara Müller-Jahnke, "Semper der Jüngling" von Otto Ernst, "Mein großes Mädel" von Karl Ewald, "Das Parlament" von Hellmut von Gerlach.