Das Konzept der "Neuen Zeit" wurde im Oktober 1882 entwickelt, als führende sozialdemokratische Politiker und Theoretiker, unter ihnen August Bebel und Wilhelm Liebknecht, die Schaffung einer neuen Zeitschrift beschlossen. Karl Kautsky übernahm die Redaktion, Heinrich Dietz den Verlag.

Die erste Ausgabe erschien am 1. Januar 1883. Die Unterzeile des Titels, "Revue des geistigen und öffentlichen Lebens", sollte betont harmlos und unpolitisch klingen. Die Zeitschrift erschien im Quartformat, zunächst monatlich in Heften von je drei Bogen. Der Preis betrug 50 Pfennige pro Heft. Mitinhaber waren Heinrich Braun und Karl Kautsky.

Nach dem Wegfall des Sozialistengesetzes 1890 wurde Kautsky in den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei aufgenommen. Am 1.10.1890 wurde die "Neue Zeit" in eine Wochenschrift umgewandelt. Zu dieser Zeit hatte sie etwa 2500 Abonnenten. Durch das wöchentliche Erscheinen wurde eine erweiterte Berichterstattung möglich: es erschienen jetzt auch fortlaufende Erzählungen sowie von Franz Mehring die "Berliner Briefe". 1896 hatte die Zeitschrift ca. 4000 Abonnenten, ein Heft (Umfang: 32 Seiten) kostete 25 Pfennig, das Jahresabonnement 13 Mark.

1901 wurde die "Neue Zeit" von der SPD zur parteioffiziellen Zeitschrift erklärt und Eigentum der Partei. Der Untertitel lautete jetzt entsprechend "Wochenschrift der Deutschen Sozialdemokratie". Die Auflage stieg in den folgenden Jahren kontinuierlich, 1906 betrug sie 7500 Exemplare, wenige Jahre später waren es über 10000. Der Erste Weltkrieg führte zu einem starken Einbruch der Auflagenzahlen, noch 1921 betrug die Auflage nur 3600.

1908, zu ihrem 25-jährigen Jubiläum, wurde die Zeitschrift um eine monatlich erscheinende Feuilletonbeilage erweitert, deren Redaktion Franz Mehring oblag. Vierteljährliche Ergänzungshefte waren größeren wissenschaftlichen Abhandlungen vorbehalten.

Das Ende kam für die "Neue Zeit", die über weite Strecken ihres Erscheinens ein defizitäres Unternehmen war, durch die Inflation: 1923 kostete ein Jahresabonnement 5800 Mark.