Die "Neue Zeit" war von Anfang an als eine Zeitschrift für das Volk konzipiert. Mit ihr sollten der Arbeiterklasse das marxistische Weltbild nahegebracht und ihr damit die Rolle und Aufgaben der Proletarier in der jetzigen und der zukünftigen Gesellschaft bewusst gemacht werden.

In dem der ersten Ausgabe von 1883 (also noch zur Zeit des Sozialistengesetzes) vorangestellten Programmartikel von Wilhelm Liebknecht (1826-1900) heißt es: "Dieses Bewußtsein zu wecken, dieses Verständnis anzubahnen, darauf werden wir mit allen unseren Kräften hinwirken. [...] Wir werden das unsrige tun, die Massen über die Natur des Staats und der Gesellschaft und über die weltbewegenden Probleme, welche die Signatur des 19. Jahrhunderts sind und mit wachsendem Ungestüm ihre Lösung heischen, aufzuklären und zu belehren, und in möglichst weiten Kreisen sozialpolitische Kenntnisse zu verbreiten [...] Um das Volk auf die Höhe seiner Aufgabe zu erheben, muß ihm alles wissenswerte auf allen Gebieten des Wissens zugänglich gemacht werden. [...] Wie viele unserer Arbeiter, Handwerker, Bauern kennen Shakespeare, Lessing, Schiller und Göthe? kennen einen Raphael, Mozart, Beethoven? kennen die Schriften eines Humboldt und Darwin? [...] Die Wissenschaft, Wissen unter das Volk zu bringen, das ist das Alpha und Omega unseres Programms." Damit einhergehend wollte sich die Zeitschrift jedoch von aller Tendenz freihalten: "Jedem Gegner, dem es um die Sache ernst ist, steht daher unser Blatt offen, und die Redaktion wird niemals der lächerlichen Unfehlbarkeitsfiktion huldigen, sich im Allgemeinbesitz der Wahrheit zu düncken; sie hat sich jenen Weisen zum Vorbild genommen, der es als seinen Beruf ansah, Geburtshelfer der Wahrheit zu sein." (Die Neue Zeit, 1. Jg. 1883, S. 1-8, zit. n. Harry Pross, Literatur und Politik, S. 153-162)

Für marxistisch orientierte Schriftsteller und Journalisten wollte die Zeitschrift ein Sammelbecken sein. Das Ziel, nicht nur die sozialistischen Intellektuellen, sondern auch den Mann auf der Straße, den Arbeiter in der Fabrik zu erreichen, blieb jedoch bestehen. 1890, nach dem Wegfall des Sozialistengesetzes, welches die Möglichkeiten der Zeitschrift bis dahin stark eingeschränkt hatte, schrieb Karl Kautsky: "Die 'Neue Zeit' auf dem höchsten Niveau zu erhalten [...] bleibt nach wie vor die Aufgabe des Herausgebers und der Redaktion. Wir wollen alles aufwenden, in der ‚Neuen Zeit' ein Organ zu bieten, würdig der Höhe, die der wissenschaftliche Sozialismus erklommen; wir wollen aber auch die 'Neue Zeit' so abwechslungsreich, leicht verständlich und anziehend gestalten, daß sie nicht bloß dem Theoretiker, sondern auch dem Praktiker, nicht bloß dem Studirenden, sondern auch dem Mann der Arbeit, der neben Belehrung auch Erholung sucht, willkommen sei". (Die Neue Zeit, 9. Jg. 1890/91, Bd. 1, S. 1-3)