Die zunächst als Kampforgan der naturalistischen Literaturbewegung konzipierte "Freie Bühne für modernes Leben" entwickelte sich nach 1900 unter Oscar Bie zur maßgebenden Kulturzeitschrift der Moderne. 1890 gegründet von dem Berliner Theaterkritiker Otto Brahm (1856-1912) und von Samuel Fischer (1859-1934), dem "Verleger der Moderne", entstand die Zeitschrift zunächst als Organ des Berliner Theatervereins "Freie Bühne". Aufgrund der schon von ihrem ersten Herausgeber, Brahm, verkündeten Prinzipien der Offenheit und fortwährenden Innovation bot die später in "Die Neue Rundschau" umbenannte Zeitschrift auch den nach-naturalistischen Literaturbewegungen, z.B. dem Impressionismus, den Autoren der Wiener Moderne oder in den zwanziger Jahren der Neuen Sachlichkeit, eine wirksame Plattform. In den Jahren von 1900 bis 1920 hatte die Zeitschrift ihren größten Erfolg.

Trotz des quantitativ gesehen eher geringen Anteils an literaturkritischen Beiträgen zählt die Zeitschrift mit Rezensenten wie z. B. Alfred Kerrmehr..., Otto Brahm, Paul Schlenther, Hermann Bahrmehr..., Oscar Bie, Felix Poppenberg, Arthur Eloesser, Moritz Heimann, Paul Wiegler, Jakob Schaffner, Franz Blei, Robert Musilmehr... oder Ellen Key zu den wichtigsten literaturkritischen Medien des wilhelminischen Kaiserreichs, aber auch der Weimarer Republik. Ein problematischer Aspekt der literaturkritischen Praxis der Zeitschrift ist dabei die von Beginn an enge Verquickung mit der literarischen Produktion des S. Fischer Verlags: Die wichtigsten Neuerscheinungen des Verlags erschienen nicht nur häufig als Vorabdruck in der Zeitschrift, sondern wurden meist auch von anderen Autoren des Verlags in der "Neuen Rundschau" besprochen.

Im Dritten Reich konnte die Zeitschrift unter der Leitung Peter Suhrkamps bis kurz vor Kriegsende fortbestehen. Nach dem Verbot der Zeitschrift 1944 wurde sie ein Jahr später von Gottfried Bermann-Fischer im Stockholmer Exil wiedergegründet. Sie erscheint noch heute, ohne je ihre einstige Bedeutung wieder erlangen zu können, vierteljährig, als eine der maßgebenden Kulturzeitschriften im deutschsprachigen Raum im S. Fischer Verlag. Mit ihrer über 110jährigen Geschichte dürfte es sich heute um die älteste Kulturzeitschrift Europas handeln.