In den ersten Jahren nach ihrer Gründung war M. G. Conrads "Gesellschaft" das führende Organ der naturalistischen "jung-deutschen" Bewegung. Wie beachtet die Zeitschrift gerade im bürgerlichen Lager wurde, davon zeugen die vielen Angriffe auf die "Gesellschaft", die von dieser akribisch in ihren Ausgaben vermerkt und beantwortet wurden. Auch außerhalb Deutschlands war die Zeitschrift viel beachtet, immerhin die Hälfte der Auflage ging ins Ausland (vgl. Die Gesellschaft, 5. Jg. 1889, S. 1024). Da die Auflage der Zeitschrift auf ihrem Höhepunkt nur 1000 Exemplare (1890) betrug, dürfte ihr Leserkreis jedoch eher gering gewesen sein.

Das Publikum der Zeitschrift dürfte vor allem aus den jungen Intellektuellen und Schriftstellern der Zeit bestanden haben; außerdem dürften v.a. Lehrer und Pädagogen zum Leserkreis gehört haben, wie sich aufgrund der Anzeigen von Philologen- und Lehrerzeitschriften oder der Werbung für Lehrbücher im Anzeigenteil der "Gesellschaft" vermuten lässt (vgl. Strieder, Die Gesellschaft, S. 23f.).

Von der befreienden Wirkung, die die "Gesellschaft" gerade auf die junge Generation von Autoren hatte, zeugt eine Lobrede ihres Mitarbeiters Detlev von Liliencron: "Wir wollen dankbar sein, daß wir die Zeitschrift 'Die Gesellschaft' haben: daß wir doch einen Aufenthalt finden [...] wo wir nicht ersticken in der 'Bourgeois-Litteratur'. / Der Leiter dieser Zeitschrift, und mit ihm einige eben so kühne Männer, hat in jahrelangem Kampf mit einer Unerschrockenheit ohnegleichen, mit gleichbleibender Begeisterung, in edler Aufrichtigkeit, angefeindet, umschrieen von allen Seiten, den dornenvollsten Weg durchschritten [...] Mit beispiellosem Mut hat der Verleger der 'Gesellschaft' uns Naturalisten seinen Verlag geöffnet. Wir wären im großen, herrlichen Vaterlande Waisenkinder, hätten wir dort nicht eine Zuflucht gefunden." (Die Gesellschaft, 5. Jg. 1889, S. 610)

Dagegen stellte sich die Zeitschrift in den Folgejahren mit den maßlosen Attacken Karl Bleibtreus und Conrad Albertis mehr und mehr selbst ins Abseits. Exemplarisch dafür ist der Streit mit der Berliner "Freien Bühne", der Conrad und Alberti "Fremdthümelei" und "Ausländerei" vorwarfen. Den "konsequenten Naturalismus" aus Berlin denunzierte Conrad als "traurige Asphaltpflanze der Großstadtgasse": "Nur soviel sei angemerkt, daß auch das Wenige, was die freie Bühne von deutschen Autoren angenommen hat, alles Mustergültige und Vorbildliche für das übrige Deutschland dadurch verliert, daß es die realistische Dichtung gerade in ihrer nüchternsten, gemütlosesten und geistig armseligsten Form zur Erscheinung bringt. Der Realismus der Herren Hauptmann und Arno Holz, soweit er in den von der 'freien Bühne' angenommenen Theaterstücken sich verkörpert, hat für die heutige künstlerische Bewegung nur den Wert eines Kuriosums; künstlerischer Leitstern für den Kopf, künstlerisches Labsal für das Herz der nichtverberlinerten Deutschen wird er niemals werden. Er ist und bleibt eine seltsame traurige Asphaltpflanze der Großstadtgasse, ohne Duft, ohne Samen, ein erstaunliches Wunder der - Technik." (Die Gesellschaft, 6. Jg., 1890, S. 404)

Mit ihren Vorwürfen und Angriffen, die erkennbar im Zeichen des Konkurrenzkampfes im Literaturbetrieb und der Eigenwerbung standen, koppelte sich der Autorenkreis der "Gesellschaft" zunehmend von wichtigen Teilen der literarischen Entwicklung ab und näherte sich noch weiter den Positionen der Heimatkunst an. Die Führungsrolle innerhalb des literarischen Deutschland wurde von der 1890 im S. Fischer Verlag gegründeten Berliner Zeitschrift "Freie Bühne für modernes Leben"mehr... übernommen.

Die Literaturwissenschaftlerin Agnes Strieder urteilt über Conrads Zeitschriftenprojekt: "So erhielt die 'Gesellschaft' ihre Bedeutung nicht zuletzt dadurch, daß sie jungen unzufriedenen Künstlern und Intellektuellen ein Forum bot, in dem sie ihre Kritik und ihre alternativen Vorstellungen äußern, Gemeinsamkeiten erkennen und Differenzen untereinander austragen konnten. Damit war die Zeitschrift auch ein Kommunikationsorgan für alle fortschrittlich Gesinnten und die, die sich dafür hielten, indem sie die Möglichkeit bot, von den gültigen Normen abweichende Gedanken zu verbreiten und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Insofern bietet die 'Gesellschaft' für den heutigen Leser ein Spektrum von Anschauungen und Vorstellungen junger Intellektueller am Ende des 19. Jahrhunderts und ist auch auf dieser Grundlage einer Beschäftigung wert." (Strieder, Die Gesellschaft, S. 23.)