Der Kritikteil der "Gesellschaft" erschien unter wechselnden Titeln wie "Vom Büchertisch", "Kritik", "Romane und Novellen" oder "Kritische Rundschau"mehr.... 1888 erschien er unter dem Titel "Litterarisch-kritische Rundschau", herausgegeben von Karl Bleibtreu, in sechs Heften als Beilage. Hinzu kamen literatur- und theaterkritische Artikelserien bestimmter Autoren: Karl Bleibtreu veröffentlichte in den ersten Jahrgängen "Berliner Briefe"Textbeispiel; unter dem Pseudonym "Fritz Hammer" schrieb M. G. Conrad seine "Münchener Mappe" und veröffentlichte unter seinem eigenen Namen Berichte "Aus dem Münchener Kunst- und Litteraturleben". Conrad Alberti schickte aus der Reichshauptstadt "Berliner Theaterbriefe". Korrespondenten berichteten in Form von "Literaturbriefen" über die neuesten Entwicklungen aus dem Ausland.

Veröffentlicht wurden im Kritikteil Rezensionen unterschiedlichen Umfangs, von ausführlichen Besprechungen bis hin zu Kurzhinweisen von nur fünf, sechs Zeilen Umfang. Am Anfang jeder Rezension stand das zu rezensierende Werk mit seinen bibliographischen Angaben, die unterschiedlich angegeben wurden: Titel. Gattung von Autor. Mit ... Besonderheiten (z. B. Aus ... übersetzt von ...). Verlag, Ort Jahr. Oder: Autor (Vor- und Nachname), Titel, Ort, Verlag Jahr. Manchmal stand der Titel in Anführungszeichen. Bei manchen Werken wurden noch die Seitenzahl, das Format und der Preis angegeben. Der Name des Kritikers wurde mal ausgeschrieben, mal nur als Kürzel wiedergegeben (z. B. "M.G.C." für Michael Georg Conrad oder "C-A-i" für Conrad Alberti). Viele Besprechungen erschienen auch anonym. Beliebt waren Sammelrezensionen zu einem Thema oder Gebiet. Während die Rezensionen vorrangig eine informierende und nur gelegentlich sanktionierende Funktion hatten und ihre Urteile daher auch häufig milder ausfielen, waren die literaturkritischen Essays eher problemorientiert und reflexionsstimulierend und häufig schärfer im Urteil.

Als Ordnungskriterien fungierten im Rezensionsteil literarische Gattungen ("Dichtungen", "Drama", "Lyrik", "Romane und Novellen"), das Herkunftsland des Autors ("Englische Litteratur", Französische Litteratur", "Skandinavische Litteratur" usw.) sowie, bei wissenschaftlichen Novitäten, die thematische Zugehörigkeit ("Frauenfrage", "Musikalische Litteratur", "Litteratur und Presse", "Litterarhistorisches", "Kriegswissenschaft" usw.). Durch die umfassende Einbeziehung von populärer Sachbuchliteratur und wissenschaftlichen Neuerscheinungen informierte der Kritikteil der "Gesellschaft" ihre Leser weitgehend über den gesamten Buchmarkt.

Im Gegensatz zu ihrer Selbstbeschreibung, eine gerechte, sachliche, unparteiische Kritik zu pflegenmehr..., war der Stil vieler Beiträge häufig von beißend-aggressiver Polemik, die die Zeitschrift schnell in Verruf brachte. Besonders die Texte Bleibtreus und Albertis erregten die Gemüter. In seinem Verriss der Aufführung von Gerhart Hauptmanns Stück "Vor Sonnenaufgang" in der Berliner Freien Bühne 1890 giftet Alberti: "Die Handlung ist wenig mehr als Null und dieses Wenige ist einfach der barste Blödsinn, den je dilettantische Dreistigkeit der Öffentlichkeit zu bieten wagte. [...] Um nun auf dieses Fricassé von Unsinn, Kinderei und Verrücktheit die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken, durchsetzte es Herr Hauptmann mit einem Gemisch von Rohheiten, Brutalitäten, Gemeinheiten, Schmutzereien, wie es bisher in Deutschland unerhört gewesen war. Der Kot wurde in Kübeln auf die Bühne getragen, das Theater zur Mistgrube gemacht. [...] Das ganze Stück stinkt, aber nicht weil es von Kot handelt, sondern weil es selbst erstunken ist". (Die Gesellschaft, 6. Jg. 1890, S. 1110 f.)

Auch Publikumsbeschimpfung war für Rezensenten wie Alberti ein beliebtes Mittel: "Paul Heyse ist kein einzelner Mensch - er ist ein Symbol, die plastische Verkörperung der ganzen sittlichen Verkommenheit der deutschen Bourgeoisie, welcher die Gemeinheit, die Lüsternheit, die Frechheit, die Schamlosigkeit als das Ideal der Schönheit gilt. Heyse lesen, heißt ein Mensch ohne Geschmack sein - Heyse bewundern, heißt ein Lump sein." (Die Gesellschaft, 5. Jg. 1889, S. 976)