Dem Titel der Zeitschrift entsprechend, wurde die Forderung nach einer neuen Literatur im Kontext der gesellschaftlichen Zustände gesehen. Die Literaturkritik war Teil einer umfassenden Gesellschaftskritik, für die die "Gesellschaft" das Sprachrohr sein wollte. Besonders deutlich wird dies in M. G. Conrads programmatischem Text "Zur Einführung"Textbeispiel, der in der ersten Ausgabe der Zeitschrift am 1.1.1885 erschien:

"Fort, ruft unsere "Gesellschaft", mit der geheiligten Backfisch-Litteratur, mit der angestaunten phrasenseligen Altweiber-Kritik, mit der verehrten kastrierten Sozialwissenschaft! Wir brauchen ein Organ des ganzen, freien, humanen Gedankens, des unbeirrten Wahrheitssinnes, der resolut realistischen Weltauffassung!" (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 1. Hervorhebung im Original)

Mit der "Gesellschaft" sollte die kulturelle Dominanz der Familienblätter überwunden und eine umfassende Erneuerung der nationalen Kultur und Literatur eingeleitet werden. An die Stelle der Schönfärberei, Epigonalität, Konventionalität und des Phrasentums der affirmativen Gründerzeit-Literatur sollten Werte treten wie "Wahrheit", "Wahrhaftigkeit" und "Realismus". Typisch für die "Gesellschaft" war dabei die Entgegensetzung von (schlechten) "weiblichen" Werten oder Merkmalen, wie sie der Kultur der Gründerzeit zugeschrieben wurden, und (guten) "männlichen", die die "Gesellschaft" für sich in Anspruch nahm: Mit ihr sollte, so Conrad, die "arg gefährdete Mannhaftigkeit und Tapferkeit im Erkennen, Dichten und Kritisieren wieder zu Ehren" (ebd.) gebracht werden.

In einer Verlagsankündigung aus dem Jahr 1889 und damit auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs wird die Zeitschrift so charakterisiert:

"'Die Gesellschaft' ist das einzige deutsche Blatt, welches die weltbewegenden Probleme der Zeit - in Kunst, Litteratur und sozialem Leben - rücksichtslos und ohne Zimperlichkeit bis in die letzten Consequenzen behandelt. [...]
'Die Gesellschaft' ist das einzige deutsche Blatt, welches gegen den veralteten romantischen Dusel, gegen die moderne Verflachung und Corruption auf allen Gebieten und für ungeschminkte Wahrheit und geistige Vertiefung kämpft.
'Die Gesellschaft' ist das einzige deutsche Blatt, welches regelmäßige und eingehende Berichte über die neuesten Erscheinungen aller Litteraturen der Welt bringt.
'Die Gesellschaft' ist das einzige deutsche Blatt, welches einen gesunden Realismus ohne Frivolität, die höchste Freiheit ohne Zügellosigkeit vertritt und sich den Luxus eigner und neuer Gedanken gestattet.
'Die Gesellschaft' ist das einzige deutsche Blatt, welches alle litterarische Richtungen mit gleicher Sorgfalt pflegt: Politik, Volkswirtschaft, Roman, Novelle, Lyrik, Aesthetik, Litteraturgeschichte, Kunstkritik."
(Die Gesellschaft, 5. Jg. 1889, S. 918 f. Verlagsankündigung. Hervorhebungen im Original aufgehoben)

Sich selbst verstand die Zeitschrift als liberal und offen: "Die 'Gesellschaft' erkennt kein Monopol der Wahrheit an. Keiner ihrer Mitarbeiter, so sehr er sich zu vollster Wahrhaftigkeit verpflichtet, huldigt dem Wahne, eine patentierte alleinseligmachende Lehre zu verkündigen, die jede Diskussion ausschließt. Wir gewähren dem Kampf der Ideen den weitesten Spielraum. Der Realismus verpönt nur die Phantasterei, die Schablone und die Phrase." (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 742) In der Praxis wurde diese weltanschauliche Offenheit etwa in Form von Pro- und Contra-Artikeln oder, im literaturkritischen Teil, durch Doppelrezensionen verwirklichtTextbeispiel, jedoch durch die aggressive Polemik einzelner Mitarbeiter wie etwa Karl Bleibtreu und Conrad Alberti desavouiert.mehr...

Politisch wurden in der "Gesellschaft" von Anfang an vor allem konservative, deutsch-nationale, reichstreue Positionen vertreten. Die Sozialdemokratie wurde abgelehnt; Anti-Modernität, Kapitalismuskritik und Heimatverbundenheit verquickten sich zur Utopie einer wieder gereinigten, ursprünglichen, unkorrumpierten, natürlichen Volksgemeinschaft. Die "Gesellschaft" nahm damit Positionen der Heimatkunst, aber auch der völkischen Literatur vorweg. So propagierte der Redakteur und spätere Herausgeber der Zeitschrift, Hans Merian, Mitte der 1890er Jahre sozialdarwinistisches und nationalistisches Gedankengut: "Und schließlich ist die Kulturkraft eines Volkes der einzige im Kampf ums Dasein der Nationen wirklich ausschlaggebende Faktor. Steht der Deutsche treu zu seiner Art, schützt er die Errungenschaften seiner Kultur mutigen Sinnes, wo er sich auch befinde auf dem Erdball, so wird er stets siegreich hervorgehen aus dem Wettstreit der Völker; tritt er aber seine Kultur mit Füßen und läuft kindischen Sinnes bald hinter diesem, bald hinter jenem ausländischen Modenarren her, so nützen alle Kanonen und Pickelhauben nichts". (Die Gesellschaft, 10. Jg. 1894, S. 95 f.)Funote

Aus heutiger Sicht stellt die in der Zeitung zu findende Meinungsvielfalt ein getreues Abbild der vor 1900 herrschenden Polyphonie an fortschrittlichen wie rückwärtsgewandten politischen, philosophischen, weltanschaulichen und ästhetischen Positionen und Ideologien dar, die sich oft zu überraschenden Allianzen verbanden.mehr...