"Die Gesellschaft" war neben dem "Magazin für die Literatur des In- und Auslands" und der "Freien Bühne für modernes Leben"mehr... das führende Medium der naturalistischen Bewegung. Gegründet wurde die kulturelle Rundschauzeitschrift 1885 in München von Michael Georg Conradmehr..., der später als Herausgeber von Karl Bleibtreumehr... abgelöst wurde. Die programmatische Zeitschrift war ein Diskussionsforum für gesellschaftliche, politische, ästhetische und literarische Themen. Ihr Hauptzweck war die Kritik an den gesellschaftlichen, sozialen und literarischen Zuständen der Zeit. Neben der Publikation literarischer Texte nahm die Literaturkritik in der "Gesellschaft" in Form von Rezensionen, Autorenporträts und Essays von Beginn an großen Raum ein. Ihre Funktion bestand in der Propagierung einer zeitgemäßen deutschen Literatur im Sinne des Realismus/Naturalismus, der "Bekämpfung" der Literaturkritik der Gründerzeit, der gesellschaftlichen Kritik sowie der Eigenwerbung, also der Durchsetzung der eigenen literarischen Produkte.

Die Zeitschrift, deren Positionen stark von ihrem Gründer und Herausgeber, M. G. Conrad, geprägt wurden, wandte sich aggressiv gegen die Literatur und Gesellschaft der Gründerzeit, denen u.a. "Epigonalität" und "Verweiblichung" vorgeworfen wurde. Zu den von der "Gesellschaft" Attackierten gehörten vor allem der Münchner Dichterkreis um Paul Heyse sowie der später in Berlin entstandene "konsequente Naturalismus". Propagiert wurden Autoren wie Zola, Dostojewski und Ibsen, unter den deutschen Autoren zum Beispiel Detlev von Liliencron, Max Kretzer oder Karl Bleibtreu; auch Nietzsche und Richard Wagner wurden hoch gehandelt. Naturalistische Wertemehr... wie "Wahrheit", "Modernität", "Realismus" und "Neuheit" verbanden sich von Beginn an mit antimodernen und kapitalismuskritischen Werten wie "Volkstum", "Nation", "Heimat" oder auch "Männlichkeit". Auch antisemitische und sozialdarwinistische Positionen wurden in der Zeitschrift zum Teil vertreten. Nach der Gründung der Berliner Zeitschrift "Freie Bühne für modernes Leben" 1890 verlor die "Gesellschaft" ihre führende Stellung in der naturalistischen Bewegung und wurde nach Herausgeber- und Verlagswechseln zunehmend zu einem Medium der Heimatkunstmehr..., verpasste aber den Anschluss an weitere neue literarische Entwicklungen. 1902 wurde sie eingestellt.