Charakteristisch für die expressionistische Bewegung war, dass sie sich ihre eigenen Medien schuf und vorwiegend in ihren (meist kurzlebigen) Zeitschriften artikulierte. In wenigen Jahren kam es zu Hunderten von Zeitschriftengründungen. "Expressionismus war eine wirkende, nach außen gerichtete, auf das Tathafte zielende Literatur, die nur mit Hilfe solcher Zeitschriften sich ausbreiten konnte." (Raabe, Ich schneide die Zeit aus, S. 11) Wilhelm Haefs spricht sogar von 'spezifischen Medialisierungsstrategien', die die Gruppen- und Kulturbewegung des Expressionismus auszeichnete: "Junge Autoren, Künstler und Galeristen bilden Gruppen und Zirkel, gründen Zeitschriften und bauen, wenn finanzielle Mittel und organisatorische Möglichkeiten vorhanden sind, Medienverbünde auf. Die Zeitschriften bilden dabei den Kern der Avantgardekultur; in ihnen spiegelt sich der literarisch-künstlerische Aufbruch, zugleich wirkten sie als Katalysator innerhalb der expressionistischen Bewegung. [...] Es handelt sich um Medien voller Erneuerungspathos und Polemik gegen die Autoritäten des kulturellen Establishments. Sie enthalten Texte junger, meist kaum oder unbekannter Autoren, vor allem Lyrik, Aufrufe und Manifeste, kulturkritische Beiträge, Glossen und Satiren, Pressekritik und Rezensionen, schließlich, unterschiedlich im Umfang, Graphiken. [...] Die expressionistischen Zeitschriften sind der Mittelpunkt eines gruppenorientierten Kommunikationssystems. Sie sind Verlautbarungsorgane und Reflexionsmedien der literarisch-künstlerischen und radikal-politischen Gruppen, das wichtigste Forum der Kommunikation sowie der gegenseitigen Kritik für einen Teil der jüngeren Schriftstellergeneration." (Haefs, Zentren und Zeitschriften des Expressionismus, S. 437f.)

Die durch ihr Papier und ihr Format (Oktav oder Folio) zeitungs-, flugblatt- oder plakatähnlichen Publikationsorgane der Expressionisten erreichten selten eine höhere Auflage. Die bedeutendsten Medien waren Franz Pfemfertsmehr... "Aktion"mehr..., mit einer Auflage zwischen 2000 und 7000 Exemplaren, die "Weißen Blätter" (3000-5000) sowie Wilhelm Herzogs "Das Forum" (3000). Honorare wurden selten gezahlt. Einige Bedeutung erzielte auch die zeitweilig von Alfred Kerr herausgegebene Zeitschrift "Pan". Das einzige wirkliche Zentrum des Expressionismus war für lange Zeit Berlin als politische und kulturelle Metropole des Reichs - der Expressionismus war zunächst ein Großstadtphänomen, eine Großstadtkunst. Erst während seiner Popularisierung in den Jahren des Ersten Weltkrieges und der Nachkriegszeit kam es zu einer Dezentralisierung des Expressionismus, breitete er sich von der Metropole zur Peripherie des Reichs aus (Dresden, Köln, München, auch Wien).

Neben den zahlreichen Gelegenheitskritikern im Expressionismus waren die wichtigsten Rezensenten und Kritiker: Franz Pfemfert (1879-1954)mehr..., Kurt Pinthus (1886-1975), René Schickele (1883-1940), Ludwig Rubiner (1881-1920), Kurt Hiller (1885-1972), Robert Müller (1887-1924), Wilhelm Herzog (1884-1960), Alfred Döblin (1878-1957), Rudolf Kayser (1889-1964), Kasimir Edschmid (1890-1966), Max Brod (1884-1968), im weiteren Sinn auch Alfred Kerr (1867-1948)mehr..., Robert Musil (1880-1942)mehr..., Hermann Hesse (1877-1962)mehr... und Gustav Landauer (1870-1919).