Die Literaturkritik, wie sie zur Zeit der nach-naturalistischen Literaturströmungen (Fin de Siècle, décadence, Symbolismus, Impressionismus) praktiziert wurde, zeichnete sich durch eine "Ästhetisierung der Kritik" (Russell A. Berman) aus. Die Differenz zwischen der Kritik und ihrem Gegenstand, zwischen Meta- und Objektsprache, wurde tendenziell eingeebnet, die Kritik trat selbst mit ästhetischem Anspruch auf. Mit dem "Impressionismus"Funote, der "Eindruckskunst", kam es nicht nur in der Malerei und Literatur, sondern auch in der Literaturkritik zu einer Subjektivierung, zu einer "Wendung nach innen": Wichtiger als die Referierung von Inhalten oder die Wertung wurde die Wiedergabe von Erlebnissen, Gefühlen und Assoziationen des Kritikers bei der Rezeption.

Versuchte die naturalistische Kritik noch neue Normen und Werte, auch polemisch, durchzusetzen, ging es der "impressionistischen Kritik"Funote mehr um "Einfühlung" und Verstehen neuer Kunst. Die Wertmaßstäbe, nach denen jetzt geurteilt wurde, lauteten vor allem "Schönheit", "Seele", "Psychologie", "Verfeinerung" und, im Zeichen von Vitalismus und Lebensreform der höchste Wert, "Leben", dem sogar die Kunst untergeordnet war. Gesucht wurde im Anschluss an die Lebensphilosophie Nietzsches das Seltene, Extraordinäre, Feine, das eine Steigerung des Lebensgefühls bewirken sollte.

An die Stelle der normativen trat eine primär deskriptive Kritik. Die Rollen, die Kritiker um 1900 einnahmen, waren zum einen die des "Literaturfeinschmeckers", der sich an den "Kenner", ein gebildet-elitäres Lesepublikum wandte, und, vor allem bei Alfred Kerr, die eines "Super-Künstlers". Bedeutende impressionistische Literaturkritiker waren vor allem Alfred Kerrmehr..., Hermann Bahrmehr..., Hugo von Hofmannsthal, Arthur Eloesser, Hermann Hessemehr..., Rainer Maria Rilke und Oscar Bie, teilweise auch Franz Blei und Robert Musilmehr.... Ihr wichtigstes Medium war die im S. Fischer Verlag erscheinende "Freie Bühne"/"Die neue Rundschau"mehr.... Wichtige Zentren blieben die Großstädte Berlin und München, neu hinzu kam Wien, wo sich um Hermann Bahr das "Junge Wien" organisiertemehr.... Beliebteste Textsorte der Kritik war der Essay, dem sich auch die Rezension tendenziell annäherte. Experimentiert wurde jedoch auch mit anderen, in der Geschichte der Literaturkritik eher selten verwendeten Textsorten, etwa dem Brief und dem Dialog.