Wichtig war den Naturalisten auch die "Kritik der Kritik", also die Ablehnung der literaturkritischen Praxis in den Tageszeitungen und traditionellen Literaturzeitschriften und die Forderung nach einer neuen, modernen Kritik: Der der Gründerzeitliteratur verpflichteten Tageskritik wurde Korruption, Haltungs- und Prinzipienlosigkeit, das Festhalten an obsolet gewordenen ästhetischen Werten, Feigheit im Umgang mit Sexualität und anderen Tabuthemen in der Kunst und eine verzärtelte Feminität vorgeworfen - und damit die Unfähigkeit attestiert, moderne ("mannhafte") Literatur (z. B. von Zola, Dostojewski, Ibsen u. a.) überhaupt angemessen rezipieren zu können. Dagegen sollte sich der moderne naturalistische Kritiker durch Idealismus, "Mannhaftigkeit", "Tapferkeit" und "Mitleidlosigkeit" im Urteil auszeichnenTextbeispiel.