Zentren des Naturalismus waren vor allem die Großstädte München und Berlin. Während der "Münchner Naturalismus", dessen Kopf M. G. Conrad war, sich durch eine Nähe zu antikapitalistischen, modernitätsskeptischen Werten wie "Heimat" und "Volkstum" auszeichnete und der Heimatkunst den Weg bereitete, radikalisierte sich der "Berliner Naturalismus" formal zum "konsequenten", dem Mimesisprinzip huldigenden Naturalismus mit dem Ideal einer möglichst exakten Realitätsnachahmung (Gerhart Hauptmann, Arno Holz, Johannes Schlaf). Dieser konsequente Naturalismus - der das heutige Verständnis des Naturalismus wesentlich bestimmt - wurde von den Münchner Realisten und Naturalisten abgelehnt. Der innernaturalistische Konflikt zwischen der Münchner und der Berliner Literaturavantgarde war zum einen ein Kampf um die Deutungshoheit für naturalistische Wertmaßstäbe: "falsche" Naturalisten sollten abgewehrt werden.Textbeispiel Zum anderen war er aber auch ein Konkurrenzkampf mit ökonomischen Aspekten, ein Kampf um die Publikumsgunst.

Medium der naturalistischen Kritiker waren in erster Linie die literarischen und kulturellen Zeitschriften, die zum Teil von den "jüngstdeutschen" Intellektuellen als dem Realismus verpflichtete Foren neu gegründet wurden. Neben der M. G. Conrad 1885 in München gegründeten "realistischen Wochenschrift" "Die Gesellschaft"mehr... waren die wichtigsten Zeitschriften des Naturalismus die "Kritischen Waffengänge"mehr... der Brüder Hart, die noch einige weitere Zeitschriftenprojekte ins Leben riefenmehr..., das "Magazin für die Litteratur des In- und Auslands" sowie die von S. Fischer verlegte "Freie Bühne für modernes Leben" (später unter dem Titel: "Neue Rundschau")mehr.... Die wichtigsten Kritiker des Naturalismus waren Heinrich und Julius Hartmehr..., Michael Georg Conradmehr..., Karl Bleibtreumehr..., Conrad Alberti, Otto Brahm, Leo Berg und Paul Schlenther.