Franz Pfemfert war als Publizist, Zeitschriftenherausgeber und Literaturkritiker eine der Schlüsselfiguren in der Zeit des Expressionismus. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift "Die Aktion" (1911-1932)mehr... wurde nach 1911 zu einem Forum der "jüngsten Generation", der Avantgardisten. Unter Pfemferts Führung organisierte sich in der "Aktion" der intellektuelle Widerstand gegen die Wilhelminische Gesellschaft, gegen Militarismus, Chauvinismus, das Pressewesen, das Bildungssystem und die verkrustete, patriarchalisch-kapitalistische Gesellschaft.

Als Förderer und Organisator sammelte Pfemfert in Berlin die wichtigsten jungen Lyriker und Autoren. Mit der "Aktion" bot er ihnen ein Alternativmedium zu den Medien des bürgerlichen Zeitungs- und Verlagswesens, in denen, so Pfemferts Vorwurf, ausschließlich bereits arrivierte, Erfolg garantierende Autoren gefördert wurden. Dementsprechend bestand die Funktion der expressionistischen Literaturkritikmehr..., wie sie von ihm und seinen Mitstreitern in der "Aktion", aber auch in anderen expressionistischen Medien praktiziert wurde, zuförderst in der (Eigen-)Werbung für die neue expressionistische Literatur. Daneben wurde die Kritik wie auch die Literatur von Pfemfert politisch funktionalisiert. Als Kritiker nahm Pfemfert die Rolle eines Pädagogen ein.

Pfemferts teils (links-)politisches, teils literarisch-avantgardistisches Engagement reduzierte sich nach dem Kriegsausbruch 1914 nur scheinbar allein auf die Literatur. Um der Zensur bzw. einem Verbot der Zeitschrift zu entgehen, verzichtete die "Aktion" während der Kriegsjahre auf offen politische Texte und beschränkte sich auf literarische und literaturkritische Beiträge. Pfemfert, der schon früh vor der Gefahr eines Krieges gewarnt hatte und auch 1914 ein entschiedener Kriegsgegner blieb, entwickelte in den Kriegsjahren unter dem Deckmantel von Literatur und Literaturkritik verschiedene Formen "verdeckenden Schreibens" (Ursula Baumeister). Während des Ersten Weltkrieges wurde die "Aktion" so zu einer wichtigen Stimme des Pazifismus, Pfemfert selbst der "moralische und geistige Führer des Expressionismus durch die Jahre 1914-18" (Claire Goll).

Unter dem Eindruck der Revolution wandte sich Pfemfert nach 1918 zunehmend vom Expressionismus und der Literatur ab und beschäftigte sich vorwiegend mit Politik. In seiner immer unregelmäßiger erscheinenden "Aktion" engagierte er sich vor allem für den Sozialismus. 1933 floh Pfemfert mit seiner Frau Alexandra Ramm vor den Nationalsozialisten über mehrere Stationen nach Mexiko, wo er 1954 starb.