Bartels' Selbstverständnis als Literaturkritiker wird auch deutlich anhand der Auseinandersetzung mit der positivistischen Lehre von Wilhelm Scherer (1841-1886) und ihren Vertretern. Er kritisierte an der Scherer-Schule, dass sie über den Versuch, eine systematische Literaturgeschichte zu schreiben, unabhängige ästhetische Kriterien aus den Augen verlieren würde. Für ihn war der individuelle Autor wichtiger als die kulturelle Geschichte, war in diese also auch nicht zwangsläufig systematisch einzuordnen. Zum anderen hatte Bartels ein andere Vorstellung von der Funktion der Literaturkritik als die Scherer-Schule: Die Funktion der Literaturkritik bestand für Bartels darin, dem Publikum zu erklären, welche Werke künstlerisch wertvoll sind und welche nicht. Entschieden werden sollte dies anhand zeitloser ästhetischer Kriterien und unter Einbeziehung der Eigentümlichkeit des jeweiligen Werkes. Die von Scherer entwickelte Methode mit ihrem Versuch, die Literaturwissenschaft durch eine an den Naturwissenschaften orientierten Methode von ihren subjektiven Werturteilen zu befreien, fand er dazu gänzlich ungeeignet. Entsprechend seiner Theorie von der Literatur als Ausdruck der Volksseele befürchtete Bartels, dass das Besondere, Persönliche der deutschen Literatur hinter einer formal orientierten Methode verschwinden würde.

In der Auseinandersetzung mit der Scherer-Schule spielten auch Bartels' antiintellektuelle Einstellungen eine Rolle: Akademische Literaturwissenschaftler waren für Bartels als Literaturkritiker ohnehin ungeeignet, da ihr übergroßes Wissen und ihr Interesse an Details ihre Fähigkeiten, das Ganze zu sehen und qualitative Urteile zu fällen, einschränkte. Er stellte in diesem Sinne eine "angeborne ästhetische Begabung und praktisch-kritische Ausbildung" (Bartels, Geschichte der deutschen Literatur, Bd. 1, 1924, S. VI) über wissenschaftliche Methodik. Zu dieser Ansammlung von Gegensätzen zwischen den Grundannahmen der Scherer-Schule und den völkischen und wissenschaftsfeindlichen Theorien Adolf Bartels' kam noch ein weiterer Aspekt: Das "Scherertum" galt ihm als Berliner Bewegung. Die Kombination aus Modernismus, Intellektualismus und Metropole entsprach genau Bartels' Feindbild.