Nach Bartels' Verständnis manifestierte sich in der Literatur nicht nur das Wesen des jeweiligen Autors, sondern auch das Wesen des "Volkes". Literatur trug immer die Charakteristika eines "Volkes" in sich. Das von Bartels privilegierte "deutsche Wesen" sollte sich in seiner Literatur durch eine besondere Individualität, Spontaneität und Natürlichkeit ausdrücken.Funote

Die Behauptung, die Qualität von Literatur sei abhängig von dem "Volkswesen", dem sie entstammt, belegte Bartels zumeist über ihren Umkehrschluss und in einer eher diffusen Begrifflichkeit - Werken von Autoren, die seiner Ansicht nach einem "minderwertigen" Volk entstammten, warf er entweder vor, sie würden das Wesen ihrer Autoren und ihres "Volkes" verleugnen oder dieses Wesen eben gerade als abstoßend entlarven. Bartels' Literaturkonzept macht deutlich, wie verbreitet die Elemente der NS-Ideologie schon lange vor 1933 in Deutschland waren, allein die Begrifflichkeiten zeigen die Nähe zu der späteren Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis.

Während Bartels' ästhetische Urteile überwiegend von seinen Ansichten über die jeweiligen Autoren bzw. ihre "Volksgruppe" abhängig waren, war er in Bezug auf den von ihm erwarteten Inhalt der Literatur entschiedener. Bartels sah Literatur als so etwas wie idealistische Medizin für das Volk, sie sollte gute Beispiele geben und die Moral des Volkes fördern. Sie sollte möglichst realistisch jenes Leben beschreiben, das Bartels zum Ideal stilisierte: Das einfache Leben der Bauern, ihren Alltag, ihre Land- und Naturverbundenheit. Diese Art von Literatur sah Bartels in der Heimatkunstbewegung verwirklicht.mehr...