In den 1890er Jahren veröffentlichte Bartels politische Artikel in "Die Grenzboten", seine literaturkritischen Arbeiten dagegen in dem von Ferdinand Avenarius (1856-1923) herausgegebenen "Kunstwart". Bartels besprach in den ersten Jahren fast ausschließlich Gedichtsammlungen und Romane, nach 1896 auch andere literaturkritische und -wissenschaftliche Publikationen. Diese metakritische Reflexion brachte ihn in einen Konflikt mit der positivistischen Scherer-Schule.mehr...

Den erhabenen, tendenziell arroganten Stil und Tonfall, der im "Kunstwart" generell vorherrschte, machte sich Bartels schnell zu eigen. Seine Rezensionen hatten meist folgenden Aufbau: Sie begannen mit einer eher kurzen Betrachtung des Buches, das dann schnell in einer der großen Literaturbewegungen eingeordnet wurde. Der Rest des Artikels war den Verdiensten oder - häufiger - Fehlern dieser Bewegung gegenüber der deutschen Literatur an sich gewidmet.

Bartels benutzte das Medium der Literaturkritik zunächst zur Kanonisierung seiner Lieblingsautoren, darunter Friedrich Hebbel, Otto Ludwig und Wilhelm Raabe. Ein immer wiederkehrendes Thema seiner Rezensionen war jedoch die zunehmende Unterwerfung der Literatur unter die Gesetze des Marktes. Dieses bei Bartels stark antisemitisch geprägte Thema ließ ihn für den Rest seines Lebens nicht mehr los.

Literaturkritik war für Bartels nur als "nationale" Literaturkritik denkbar, die ihre Maßstäbe und ihren Auftrag, ihre Funktion, aus dem "Volkstum" gewinnt: Die Rolle, die der Literaturkritiker bei Bartels innehatte, war, im Vorgriff auf nationalsozialistische Ideologeme, die eines Arztes, der die krankmachenden Keime, d. h. die "undeutschen", "fremden", "jüdischen" Elemente in der "rein" zu haltenden deutschen Literatur "ausmerzt": "Und so ist natürlich auch die Kritik von Natur national, die ästhetischen Maßstäbe, die der Kritiker anlegt, erwachsen ihm aus seinem Volkstum, und wenn sie doch aus dem Auslande stammen, so werden auch sie national modifiziert. Daraus folgt, daß man den nationalen Charakter, wie einer Kunst, so auch den der Kritik für gewöhnlich nicht zu betonen braucht, der Dichter schafft national, der Kritiker urteilt national, und er kann also bei uns ruhig von Kunst im allgemeinen sprechen, wir wissen doch, daß deutsche Kunst gemeint ist. Nun können aber Zeiten eintreten, wo eine Kunst ungebührlich stark von fremder Kunst beeinflußt wird, ja, es können selbst innerhalb einer nationalen Kunst unnationale Einflüsse hervortreten. Beide Fälle haben wir in unserer Zeit: Man überschwemmt Deutschland förmlich mit Auslandliteratur, nicht bloß die großen fremden Talente, auch die kleinen werden im Massenvertrieb bei uns eingeführt, und weiter spielt auch in der deutschgeschriebenen Literatur das Judentum eine unverhältnismäßig bedeutende Rolle. Da muß natürlich die Kritik national werden, muß alles das ablehnen, was deutsches Wesen verderben und verfälschen kann." (Bartels, Kritiker und Kritikaster, S. 97)

Krankheitsmetaphern bedienten sich Avenarius und sein Hauptkritiker Bartels häufig, um den schlechten Zustand der deutschen Literatur zu beschreiben. Dies ging schließlich soweit, dass die Krankheit sogar einen Namen erhielt: "Modernitis". Wer von ihr befallen war, verlangte nur noch nach den neuesten, modernsten Büchern, unter Umständen gar nur nach solchen "fremder" Autoren. Von daher war es die Aufgabe der "die Gesundheit seines Volkes" behütenden Literaturkritik, gegen "schlechte" fremde (=jüdische) Literatur anzukämpfen, ihren Einfluß auf die "gute" deutsche Kultur so gering wie möglich zu halten.Funote Für Bartels hatte somit die Literaturkritik das Erbe der diese Funktion früher erfüllenden Zensur anzutreten: "Aber überhaupt hat wohl der Kritiker nicht bloß an die Blüte der Kunst, sondern auch an die Gesundheit seines Volkes zu denken: Literatur ist ja nicht lauter hohe Poesie, sondern Schrifttum zu allen möglichen Zwecken, die geborenen Genießer sind selten und wissen sich selber zu helfen, die große Masse der Leser aber, vor allem derer, die sich entwickeln und bilden wollen, will geleitet sein, und es ist national nicht gleichgültig, ob man ihr Gips statt des Mehles, Gift statt wirklicher Nahrung bietet. In früheren Zeiten sorgte eine Zensur (ob gut oder schlecht, sei einmal dahingestellt) dafür, daß Ungeeignetes dem Volke fern blieb; die Zensur ist aufgehoben [...], und ich habe nicht die Absicht, für ihre Wiederherstellung zu plaidieren. Aber es ist doch selbstverständlich, daß die freie Kritik, nachdem sie im Namen des Volkes die Aufhebung der polizeilichen Zensur durchgesetzt, die Pflichten einer wirklichen, innerlich berechtigten Zensur stillschweigend übernommen hat, und daß sie ihre Aufgabe nicht erfüllt, wenn sie diese nicht übt." (Bartels, Kritiker und Kritikaster, S. 97 f. Hervorhebung im Original). Bei Bartels ist die nationalsozialistische Literaturpolitik [-> siehe dort] somit in ihren Grundzügen bereits vorweggenommen.

1906 veröffentlichte Bartels als Beitrag zu der Debatte um die Errichtung eines Heinrich Heine-Denkmals das Pamphlet "Heine: Auch ein Denkmal", in dem er den Dichter als "Vaterlandsverräter" denunzierte. Bartels' Bekanntheit stieg nach der Veröffentlichung des Buches zwar, doch machte er sich mit dieser polemischen Attacke endgültig zum Außenseiter der deutschen Literaturszene. In der Folge kam es wegen Bartels' zunehmender Radikalisierung auch zum Bruch mit Avenarius und dem "Kunstwart". Akademischen Kreisen galt er als unseriöser Fanatiker. Durch diese Episode, mit der Bartels seine berufliche Karriere aufs Spiel setzte, avancierte Bartels jedoch auch zur Kultfigur der radikalen Rechten. Am Ende konnte er sich gar rühmen, in der Heine-Debatte den Sieg davongetragen zu haben: Die Statue wurde nie öffentlich aufgestellt und während des Krieges zu Rüstungszwecken wieder eingeschmolzen.