Adolf Bartels gelang der Eintritt in die Literaturszene Mitte der 1880er Jahre - allerdings nicht, wie ursprünglich von ihm geplant, als Schriftsteller, sondern als Literaturkritiker. Seine Arbeit war von Beginn an von den großen Veränderungen, welche die Verlags- und Presselandschaft in dieser Zeit erfuhren, geprägt.

Nach 1871 vergrößerte sich die Anzahl der Verlage in Deutschland rasant, innerhalb von zwanzig Jahren wurden Bücher von einer Luxus- zu einer Massenware, deren Produktion von der Nachfrage einer breiten Öffentlichkeit abhing. Entsprechend dieser Entwicklung investierte das Verlagswesen zunehmend auch in die Vermittlung von Literatur an ihr potenzielles Publikum, so dass sich die Literaturkritik aus dem rein akademischen Rahmen in eine öffentliche Sphäre bewegte. Die alte Abhängigkeit wurde jedoch lediglich gegen eine neue eingetauscht: Die "neue" Literaturkritik blieb abhängig von den Interessen des Verlagswesens.

Mit diesen Entwicklungen ging auch die zunehmende Zentralisierung des Verlagswesens einher, ebenso wie die wachsende Bedeutung der Presse in den Metropolen. Neue Textformen gewannen in der literarisch orientierten Presse an Bedeutung: Jene des Feuilletons und der literarisch-kritischen Zeitschrift spiegelten den Trend, ästhetische und politisch-soziale Fragen zu vermengen, die Texte waren häufig polemisch und adressierten die Leser direkter, als dies vorher der Fall war.

Während die gleichen Prozesse in anderen europäischen Ländern in einem Klima des sozialen Umbruchs und der politischen Demokratisierung stattfanden, war dies in Deutschland nicht der Fall. Das Publikum der neu entstehenden Presselandschaft war eine überwiegend konservativ und nationalistisch eingestellte Mittelklasse, die autoritären Maßnahmen der Regierung durchaus positiv gegenüberstand.

Dies war die gesellschaftliche Situation, in der Bartels seine Karriere als Literaturkritiker begann. Seine Artikel entsprachen von Anfang an den neuen Bedingungen: Bartels richtete sich immer direkt und polemisierend an eine konservative, patriotische und antisemitisch eingestellte Mittelschicht, seine Vorgehensweise war wenig wissenschaftlich, und die Funktion seiner Literaturkritik, war es, sein politisches Weltbild einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Obwohl Bartels dem neuartigen Literaturbetrieb so sehr entsprach und seine Karriere unter anderen Bedingungen wohl kaum denkbar gewesen wäre, machte er aus seiner Abneigung gegen diesen Betrieb keinen Hehl. Offensiv vertrat er die damals in konservativen Kreisen gängige These, die großen Verlage und die Presse würden von einer Verschwörung aus "fremden", d. h. französischen und jüdischen Kräften gesteuert, mit dem Ziel, die "wahre" deutsche Kultur auszurotten und das eigentliche "Volk", die Bevölkerung in den Provinzen, mundtot zu machen.Funote