Adolf Bartels war der bedeutendste Literaturkritiker der völkischen Literaturbewegung und der der Heimatkunstmehr.... Seine Rezensionen erschienen vor allem in der von Ferdinand Avenarius herausgegebenen Zeitschrift "Kunstwart". In ihnen und in seiner erfolgreichen "Geschichte der deutschen Literatur" (1943: 19. Auflage) verwendete Bartels die Rassenzugehörigkeit eines Autors als Wertmaßstab: "Jüdische" Literatur war ihm gleichbedeutend mit "schlechter", "undeutscher" Literatur.

Adolf Bartels war zunächst ein verhinderter Heimatdichter im deutschen Kaiserreich, später ein umstrittener rechter Provokateur in der Weimarer Republik und endlich eine Kultfigur im Dritten Reich [->siehe dort]. Seine literaturkritischen Arbeiten spiegeln den jeweiligen Stand der deutschen Rechten und dokumentieren die ideologische Verflechtung von Antisemitismus, Antimoderne und Antiintellektualismus. Bartels prägte gemeinsam mit anderen um die Jahrhundertwende Begrifflichkeiten und Ideologeme, die wenige Jahrzehnte später zum festen Instrumentarium der nationalsozialistischen Ideologie gehörten, etwa jene der "Entartung" und "Krankhaftigkeit" bestimmter Kunstrichtungen. Vor der Jahrhundertwende gehörte er zu jenen Literaturkritikern, in deren Besprechungen eine untrennbare Verquickung von Ästhetik und Politik stattfand - dies allein schon aufgrund seines stark von der völkischen Ideologie geprägten Literaturbegriffs. Bartels' antisemitische Ausfälle waren bereits während der Weimarer Republik berüchtigt, gefürchtet und wurden bejubelt: auf ihn entfällt der traurige Ruhm, die Verfolgung der Juden und Jüdinnen in Deutschland innerhalb der Literatur vorweggenommen zu haben.

Ein aktueller Nachtrag: Beim Brand der Anna Amalia-Bibliothek in Weimar wurde auch Bartels' Bibliothek, die dort seit dessen Tod 1945 auf dem Dachboden lagerte, vernichtet (Knigge 2004).