Nach seiner Rückkehr nach Wien 1891 nahm Bahr Kontakt zu einer Gruppe junger Autoren auf, die sich vor allem im "Café Griensteidl" traf, darunter Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Felix Salten, Richard Beer-Hofmann und Leopold von Andrian. Vor allem in den Texten des jungen Hofmannsthal sah Bahr seine nachnaturalistische Ästhetik realisiert. In kurzer Zeit wurde Bahr der theoretische Kopf und Programmatiker der bald als "Jung Wien" bekannten Gruppe. Für den wachsenden Bekanntheitsgrad und Ruhm der Gruppierung war maßgeblich Bahr verantwortlich. Er wirkte als Förderer und Vermittler der Autoren, wobei er sich gern in der Rolle des väterlichen Entdeckers und "Meisters" inszenierte. Auf seine Schützlinge, wie etwa den jungen, noch unter Pseudonym publizierenden Hofmannsthal, machte er mit Autorenporträts in der "Freien Bühne" wie z. B. "Loris"Textbeispiel und Essays wie "Das junge Österreich" aufmerksam.

Die Bedeutung Bahrs für das "Junge Wien" war und ist nicht unumstritten. Ein namhafter Kritiker Bahrs war seinerzeit Karl Kraus.Funote Für ihn spielte sich der "Herr aus Linz" auf Kosten der von ihm angeblich geförderten Autoren nur in den Vordergrund, um ihren Ruhm zu seinem zu machen.

Fakt ist aber, dass Bahr für seine propagandistische Tätigkeit für das "Junge Wien" alle seine vielfältigen Kontakte und Beziehungen zur Verlags- und Zeitschriftenszene in Deutschland und Österreich nutzte. Er vermittelte den von ihm protegierten Autoren, die noch weitgehend unbekannt waren, den Zugang zu Zeitschriften wie der "Neuen deutschen Rundschau" und Verlagen wie dem S. Fischer Verlag.Funote Auch jede neue eigene Position im Literaturbetrieb, etwa die Arbeit als Theaterrezensent und Redakteur bei der Wiener "Deutschen Zeitung" (1892-1893), nutzte Bahr sofort zur Unterstützung "seiner" Autoren, indem er in Artikeln für sie warb und ihnen selbst Zugang zu diesem Medium verschaffte. Am Ende wurde er sogar mit Isidor Singer und Heinrich Kanner Mitbegründer einer eigenen Wochenzeitung, "Die Zeit", deren Feuilleton er leitete. Nach der Einstellung der "Modernen Dichtung/Modernen Rundschau" hatte das "Junge Wien" wieder ein eigenes Publikationsorgan.

Bahrs Rolle für die junge österreichische Literatur wird man wohl am ehesten gerecht, wenn man ihn mit Peter de Mendelssohn als "Organisator der österreichischen Literatur" bezeichnet.Funote