Aufgrund der Vernichtung des Nachlasses Franz Mehrings in der Hand des Kunstsammlers Eduard Fuchs durch die SA zu Beginn des deutschen Nationalsozialismus 1933 lässt sich die Biographie Franz Mehrings nicht mehr einwandfrei rekonstruieren.

1846

FM wird am 27. Februar 1846 in Schlawe/Hinterpommern geboren. Sein Vater ist der preußische Offizier und Jurist Carl Wilhelm Mehring. Das Elternhaus ist streng preußisch-protestantisch geprägt.

1866

FM beginnt in Leipzig ein Studium der klassischen Philologie und Geschichte, wechselt dann an die Universität Berlin.

1867

FM lernt in Berlin August Bebel (1840-1913) und Wilhelm Liebknecht (1826-1900) kennen.

1869

FM lernt die Schriften Ferdinand Lassalles (1825-1864) kennen. FM bricht das Studium ab und beginnt seine journalistische Laufbahn in der Redaktion der Berliner Tageszeitung "Die Zukunft", eines von Johann Jacoby und Guido Weiß herausgegebenen bürgerlich-radikaldemokratischen Blatts.

1870/71

Während des Deutsch-Französischen Krieges sympathisiert FM kurzzeitig mit den National-Liberalen, die den Krieg befürworten, und verfasst antisozialistische Artikel.

1871-74

FM berichtet für das Oldenbergsche Korrespondenzbüro über Reichstags- und Landtagssitzungen und wird zu einem bekannten Parlamentsreporter. Seine publizistische Tätigkeit lässt den Einfluss von Lassalle erkennen. 1874 kehrt FM zur radikal-demokratischen Linie zurück.

1874/75

FM arbeitet als politischer Korrespondent für die "Frankfurter Zeitung" und "Die Wage". Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit engagiert sich FM zunehmend für die Ziele der Arbeiterbewegung.

1875

FM veröffentlicht 1875 eine polemische Artikelserie gegen den nationalliberalen Historiker Heinrich von Treitschke, in der er versucht, den Liberalismus gegen die preußische Reaktion zu verteidigen. Seine Sympathie für die Sozialdemokratie tritt erstmals offen zutage. Auseinandersetzungen mit dem Herausgeber der "Frankfurter Zeitung", Leopold Sonnemann, führen jedoch 1876 zu einer Entfremdung mit der Sozialdemokratischen Partei.

1877

FM veröffentlicht ein aus einer Artikelserie entstandenes Pamphlet gegen die Sozialdemokratie unter dem Titel "Zur Geschichte der deutschen Socialdemokratie. Ein historischer Versuch". Eine erweiterte Neubearbeitung unter dem Titel "Die Deutsche Socialdemokratie. Ihre Geschichte und ihre Lehre" erlebt mehrere Auflagen und stellt die erste wissenschaftliche Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung dar.

1880-1884

FM liest die Schriften von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895). Die Empörung über die rigorose Handhabung des Sozialistengesetzes (1878-1890) durch die preußische Polizei führen zu einer erneuten Annäherung an sozialdemokratische Positionen.

1882

FM arbeitet für die "Weser-Zeitung". FM erhält die Doktorwürde an der Universität Leipzig.

1884

FM heiratet Eva Schirmeister. Er wird Redakteur, später Chefredakteur der liberalen Berliner "Volks-Zeitung" (bis 1890) und bekämpft in dieser Funktion das Sozialistengesetz. Entwicklung eines freundschaftlichen Verhältnisses zu August Bebel und Karl Liebknecht.

1886

FM arbeitet immer enger mit der sozialdemokratischen Presse zusammen.

1888

FMs erster Artikel in der Wochenzeitschrift "Die Neue Zeit", dem theoretischen Organ der SPD, erscheint und leitet eine über zwanzig Jahre andauernde Zusammenarbeit ein.

1890

FM wird bei der "Volks-Zeitung" entlassen, Grund ist sein Engagement in der "Lindau-Affäre". Auf die Anweisung des Literaturkritikers Paul Lindau an die Berliner Bühnen, seine Ex-Geliebte, die Schauspielerin Elsa von Schabelsky, zu boykottieren, reagiert FM mit der Veröffentlichung des Pamphlets "Der Fall Lindau", in denen Briefe Lindaus an seine ehemalige Geliebte zitiert werden, die auch andere Theaterkritiker, u.a. Otto Brahm, mitbelasten. Aufgrund dieser Erfahrungen mit der zunehmend kapitalistischen Presse der Bismarckzeit sowie dem Abrücken des Liberalismus von seinen früheren Idealen überwirft sich FM endgültig mit dem bürgerlichen Lager.

1891-1912

FM tritt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei und beginnt seine langjährige Mitarbeit als Redakteur und Leitartikler bei der "Neuen Zeit", in welcher er die meisten seiner literaturkritischen Arbeiten veröffentlicht. Gleichzeitig schreibt er für das sozialdemokratische Parteiorgan "Vorwärts" und ab 1902 als Chefredakteur für die sozialdemokratische "Leipziger Volkszeitung".

1892-1895

FM ist von 1892 bis 1895 Vorsitzender der "Freien Volksbühne" in Berlin. Er veröffentlicht in der "Neuen Zeit" 21 Feuilletonbeiträge über die Stellung Lessings in der bürgerlichen (Literatur-)Geschichtsschreibung, woraus 1893 das Buch "Die Lessing-Legende. Eine Rettung" entsteht.

1896

FM beteiligt sich auf dem Gothaer Parteitag der Sozialdemokratischen Partei an der sogenannten "Naturalismusdebatte" über die Stellung und Bedeutung der naturalistischen Literaturbewegung für eine fortschrittliche Arbeiterkunst.

1902

FM veröffentlicht die Nachlässe von Karl Marx und Friedrich Engels.

1905

FM leitet die so genannte "Schiller-Debatte" ein. In seinem zum 100. Todestag Schillers veröffentlichten Buch "Schiller. Ein Lebensbild für deutsche Arbeiter" wendet er sich gegen die bürgerliche Verfälschung und Verklärung des Weimarer Klassikers zu einem Vorläufer der Hohenzollerntums und des kriegerischen deutschen Nationalismus und löst damit eine Diskussion innerhalb der Sozialdemokratie über die Vermittlung zwischen literarischem Erbe und aktuellem politischen Auftrag aus.

1906-1910

FM hält zusammen mit Rosa Luxemburg und Heinrich Cunow Kurse an der sozialdemokratischen Parteischule in Berlin.

Ab 1912

kommt es in der SPD zu Grundsatzdiskussionen und verstärkten Spannungen zwischen Vertretern einer traditionell-marxistischen Auffassung vom Klassenkampf, unter ihnen FM, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, und Vertretern eines revisionistischen Ansatzes um Eduard Bernstein und Friedrich Ebert. Letztere wollen sich des parlamentarischen Systems bedienen, um politische Ziele durchzusetzen. FM entfernt sich daraufhin von den politischen Leitlinien des Parteivorstands und befürwortet außerparlamentarische Aktionen und die direkte Beteiligung von Arbeitern an der Ausarbeitung des Parteiprogramms. FM lehnt die sogenannten Kriegskredite ab und zählt bis zur Spaltung der SPD zur innerparteilichen linken Opposition der SPD. Nach der Spaltung der SPD während des Ersten Weltkrieges wird FM aus der Partei ausgeschlossen. Seine politischen Artikel und Kommentare veröffentlicht er daraufhin vor allem in Organen der Spartakusgruppe und dann später der KPD.

1913-1915

Zusammen mit Rosa Luxemburg gibt FM die "Sozialdemokratische Korrespondenz" heraus. Ab 1915 folgt dann die in Prag verlegte "Die Internationale. Zeitschrift für Theorie und Praxis des Marxismus vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands".

1916

FM beteiligt sich an der Gründung der Spartakusgruppe um Luxemburg und Liebknecht. Er wird dafür für vier Monate inhaftiert.

1917

FM kandidiert bei der Ersatzwahl für den verhafteten Karl Liebknecht erfolgreich für den preußischen Landtag. Liebknechts Reichstagsmandat kann er allerdings nicht erringen.

1918

FM beteiligt sich an den Vorbereitungen zur Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

1919

In der Nacht vom 28. zum 29. Januar 1919, zwei Wochen nach der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts, stirbt FM kurz vor seinem 73. Geburtstag an einer Lungenentzündung im Sanatorium von Berlin-Grunewald.