Als (Chef-)Redakteur und Leitartikler sozialdemokratischer Zeitungen ("Volks-Zeitung") und Zeitschriften schrieb Mehring hauptsächlich für ein arbeiterfreundliches Publikum. Seine zahlreichen Aufsätze und Rezensionen veröffentlichte er vor allem in der sozialdemokratischen Theoriezeitschrift "Die Neue Zeit", dessen Feuilleton er von 1908 bis 1913 leitete, und in dem Monatsheft "Die Volksbühne". Daneben publizierte Mehring noch in der "Frankfurter Zeitung"mehr... und in den "Grenzboten".

Mit der ihm eigenen agitatorischen Schärfe war Mehring darum bemüht, vergangene und zeitgenössische Literaturströmungen kritisch zu bewerten, z. B. die Nachklassik, den Naturalismus oder die Neuromantik. Doch widmete er auch ausländischen Autoren wie Zola, Tolstoi oder Ibsen ausführliche Besprechungen. Bedeutende Literatur war für Mehring zuallererst politisch bedeutende Literatur.

Bei der deutschen Klassik hob Mehring die demokratischen Elemente und die rebellische Widersetzlichkeit in den Dichtungen Lessings und Schillers hervor. Er wandte sich gegen die antidemokratische Verklärung der Klassiker für das preußischdominierte Deutschland der Hohenzollern durch die bürgerliche Literaturkritik und -wissenschaft. Mehrings 1893 veröffentlichtes Buch "Die Lessing-Legende. Eine Rettung", welches aus einundzwanzig zuvor in der "Neuen Zeit" veröffentlichten Feuilletonbeiträgen entstand, zeugt davon ebenso wie seine späteren Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der Schiller-Debatte von 1905. Auch in seiner "Geschichte der deutschen Sozialdemokratie" zog Mehring ein positives Resümee der deutschen Klassik, die ihm als Vorkämpfer für eine wirkliche Kultur gegen die despotischen Verhältnisse ihrer Zeit galt, worin sich die Klassik für Mehring auch von den modernen Literaturrichtungen unterschied.

Eine ähnliche Sichtweise liegt Mehrings Beurteilung der "nachklassischen Literatur" zugrunde: Auch wenn die Arbeiten von August von Platen, Georg Herwegh, Friedrich Hebbel, Karl Gutzkow und Heinrich Heine durch die Bedrücktheit der deutschen Verhältnisse in ihrem Bewusstsein um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse nach Mehring beschränkt blieben, hob er doch den in ihnen manifesten Widerspruchsgeist und ihr Festhalten an den liberalen Idealen der Aufklärung hervor (vgl. dazu Herman, Die Kunst dem Volke). Insbesondere Heinrich Heine galt seine Aufmerksamkeit, dem er neben Lessing und Schiller eine Monographie sowie eine Edition seiner Werke in zehn Bänden widmete.

Den Naturalismus begleitete Mehring von Beginn an mit Rezensionen und Essays. Anfangs würdigte er den Fortschritt, den der Naturalismus gegenüber der Epoche der Gründerzeitliteratur bedeutete, nahmen die Naturalisten doch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen kritisch Bezug und griffen soziale Stoffe auf. So besprach Mehring die dramatischen Werke Gerhart Hauptmanns, Max Halbes oder Hermann Sudermanns, aber auch die Dichtungen Arno Holz' in zahlreichen Rezensionen. Spätere Urteile über den Naturalismus sind dagegen durch die Auffassung gekennzeichnet, dass der Naturalismus keine Literaturbewegung im Sinne der sozialistischen Anschauungen darstellt, zeigte sich dieser doch nicht in der Lage, über den bürgerlichen Standpunkt hinauszugehen.Funote In seinem 1908 in der "Neuen Zeit" erschienenen Aufsatz "Naturalismus und Neuromantik"Textbeispiel kam Mehring zu dem Schluss, dass der Naturalismus zwar "sich von den Lebensbedingungen der kapitalistischen Gesellschaft zu emanzipieren suchte, aber es wurde sein Verhängnis, daß er auf halbem Wege stehen blieb. Er sah in der herrschenden Misere nur das Elend von heute, aber nicht die Hoffnung auf morgen." (Die Neue Zeit, 26. Jg. 1907/08, 2. Bd., S. 962)

Im gleichen Aufsatz wertete Mehring die neuromantische Literaturströmung als konsequente Nachfolgerin des Naturalismus, insofern sie der für den Naturalismus nicht mehr zu ertragenden kapitalistischen Wirklichkeit mit einer "Flucht in ein Traumland" begegnete, das ihr gestattete, "allen nervösen Launen eines übersättigten Publikums genug zu tun." Folgerichtig fällte Mehring über die neuromantische Literatur ein vernichtendes Urteil: "Historisch ist die Neuromantik nichts anderes als ein ohnmächtiges Abzappeln von Kunst und Literatur in den erstickenden Armen des Kapitalismus [...]." (alle ebd., S. 963) über die Werke Hugo von Hofmannsthal und der Jung-Wiener Dichter höhnte Mehring, sie seien "eine Poesie reicher Söhnchen für reiche Söhnchen; wer sich mit der handfesten Wirklichkeit des rauhen Lebens herumschlagen muß, erwirbt sich nicht die Feinheit der Sinne, um diesen luftigen Nektar genießen zu können" (Die Neue Zeit, 17. Jg. 1898/99, Bd. 2, S. 22) Neuromantik und Impressionismus galten Mehring als Kunst des Verfalls und der Dekadenz, Symptom eines seinem Ende entgegengehenden Bürgertums.

Vor dem Hintergrund der konstatierten Unzulänglichkeiten der zeitgenössischen Literaturbewegungen war Mehring die Förderung einer selbständigen proletarischen Kunst und Literatur ein besonderes Anliegen. Er rezensierte Dramen und deren Aufführungen, Romane und Lyrikbände sozialdemokratischer Tradition und verhalf ihnen zu einer größeren Wahrnehmung und Bekanntheit, darunter Werke von Autoren, die sich wie Mehring zu den Zielen der Sozialdemokratie bekannten: Minna Kautsky, Robert Schweichel, Otto Krille, Ernst Preczang und Lu Märten sowie die Verfasser erster sozialistischer Arbeiterautobiographien wie William Bromme und Wenzel Holek (vgl. dazu Hermand, Die Kunst dem Volke).