Mehrings Ziel war die kritische Einordnung und Aneignung deutscher Literaturgeschichte und Gegenwartsliteratur zum Zwecke einer Stärkung des Proletariats in den damaligen sozialen und politischen Auseinandersetzungen (politische Funktion). Literaturkritik galt ihm als ein Mittel, um aufklärend-erzieherisch in die Arbeiterklasse zu wirken, um eine "Revolutionierung der Köpfe, als wirksamsten Hebel der Massenaufklärung und Massenbildung" (Die Neue Zeit, 28. Jg. 1909/10, 1. Bd., S. 687) voranzubringen (pädagogisch-didaktische Funktion). Doch bekämpfte Mehring auch die zunehmende Kommerzialisierung des Berliner Theaterbetriebs, in dem, so Mehring, Reklame und Korruption längst Kunstinteressen pervertiert hatten ("Lindau-Affäre").Funote

Charakteristisch für seine literaturkritischen Arbeiten sind eine historische Betrachtungsweise, die die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte eines Werkes, eines Autors oder einer literarischen Bewegung mit berücksichtigte, sowie das Aufspüren des jeweiligen sozialen Inhalts, aufgrund dessen Mehring die Wirkungsmöglichkeiten eines Werkes in den sozialen (Klassen-)Auseinandersetzungen bestimmte.Funote

Im Vordergrund der Rezensionen Mehrings standen die marxistische Deutung von Literatur, die Polemik gegen die chauvinistische PreußenideologieTextbeispiel und die Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Dennoch behielt er eine ästhetische Dimension bei, die außerhalb des Politischen und der Historie angesiedelt blieb und der Kants "Kritik der Urteilskraft" zugrundelag.

Bedeutende Literatur war für Mehring stets eine gelungene Synthese aus Form und Inhalt: So konnten ihm bestimmte Werke z. B. der bürgerlichen Literatur durchaus als formalästhetisch gelungen gelten, obgleich sie seinen politischen Ansprüchen keineswegs genügtenTextbeispiel. Umgekehrt bemängelte er an den Texten proletarischer Autoren formalästhetische Defizite, ungeachtet dessen er ihren politischen Wert würdigte.