Franz Mehring war der bedeutendste sozialistische Literaturkritiker und Historiker im wilhelminischen Kaiserreich. Mit seinen literarhistorischen Arbeiten als Feuilletonredakteur der "Neuen Zeit"mehr... machte er als einer der ersten die Methode des Historischen Materialismus für die sozialdemokratische Literaturkritikmehr... produktiv. Literaturkritik und -wissenschaft verstand Mehring als Teil einer allgemeinen Geschichtswissenschaft, die ästhetische Phänomene nicht losgelöst von politischen und ökonomischen Hintergründen untersuchen sollte.

Mit Mehring begann im deutschen Kaiserreich die marxistisch inspirierte Auseinandersetzung über Bedeutung und Funktion der Literatur in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Im Dienste des proletarischen Emanzipationskampfes in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft betrachtete Mehring Literaturkritik als ein Mittel zur politischen Entwicklung des Klassenbewusstseins der Arbeiterklasse. Die gesellschaftliche Entwicklung galt ihm als Wurzel der zu analysierenden Phänomene. Seinen literarischen Aufsätzen und Rezensionen liegt der Versuch zugrunde, vor dem Hintergrund der marxistischen Gesellschaftstheorie die einzelnen Werke, Autoren und Literaturströmungen kritisch zu bewerten, sie aufgrund dessen polemisch anzugreifen (Naturalismus, Neuromantik etc.) oder sie für das sozialdemokratische Publikum nutzbar zu machen (vor allem die deutsche Klassik und die Nachklassik).

Als Verfasser zahlreicher Rezensionen und als Herausgeber sozialdemokratischer Publikationen sowie als Vorsitzender des arbeiternahen Berliner Theatervereins "Freie Volksbühne" förderte Mehring auch die Anfänge sozialistischer bzw. proletarischer Kunst und Literatur. Während des Ersten Weltkrieges wandte sich Mehring verstärkt der politischen Praxis zu und beteiligte sich sowohl an der Arbeit des "Spartakusbundes" um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als auch an der Gründung der "Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD).