An der epochalen Bedeutung seines literarischen und literaturkritischen Wirkens hatte Bleibtreu nie Zweifel. Auf dem Höhepunkt seiner publizistischen Karriere verkündete er, dass "auch mein Wirken als eine Keimzelle der Zukunftsliteratur gelten [dürfte]." (Bleibtreu, Revolution der Literatur, 3. Auflage, S. 38) Sein Selbstbewusstsein war groß genug, in sich den Erlöser der deutschen Literatur zu erblicken: "Wenn ich immer und überall durchschimmern ließ, daß ich mich für den Messias im gegenwärtigen Stadium der Literatur halte, so ist das eine Ansicht, die ich wahrlich nicht allein vertrete" (Zit. n. Faber, Bleibtreu als Literaturkritiker, S. 88)

Tatsächlich beschränkte sich Bleibtreus Wirkung und Einfluss nur auf den kurzen Zeitraum von 1885 bis ca. 1890. In dieser Zeit stieg er zum umjubelten Führer der naturalistischen Bewegung auf, machte sich mit seinem egozentrischen Stil viele Feinde und manövrierte sich endlich selbst mehr und mehr in eine Randposition des Literaturbetriebs.

Mit Hauptmanns "Vor Sonnenaufgang" hörte für Bleibtreu die von ihm ausgerufene "Revolution der Literatur" auf. Mit dem "konsequenten Naturalismus" wollte er nichts zu tun haben. Von diesem sprach er nur als von dem "sogenannten Realismus der jüdisch-berlinerischen Nachahmungs-Schule" (Bleibtreu, Letzte Wahrheiten, S. 101, zit. n. Baseler, Gerhart Hauptmanns soziales Drama, S. 216) Die Verbitterung über die ihn mehr und mehr ignorierende naturalistische Bewegung führte zu fortwährenden Klagen darüber, dass andere Autoren den Erfolg einheimsten, der eigentlich ihm zugestanden hätte. Nach 1890 wendete er sich mehr und mehr dem Schreiben von historischen Romanen und von Fachbüchern zu militärischen Fragestellungen zu.