In den 1880er Jahren war Karl (häufig auch: Carl) Bleibtreu eine der Zentralfiguren der naturalistischen Bewegung. Als Redakteur, Herausgeber, Kritiker und Programmatiker prägte er die "jüngstdeutschen" Literaturbewegung entscheidend mit. Berühmt wurde er durch seine 1886 erschienene Programmschrift "Revolution der Literatur": In ihr konstatierte er das Entstehen einer neuen, an die Sturm und Drang-Bewegung anschließenden deutschen Literatur, gekennzeichnet von dem von ihm vertretenen inhaltsbestimmten, subjektivistischen Realismus. Bedeutend war auch sein Wirken als zeitweiliger Herausgeber und Kritiker des "Magazins für die Literatur des In- und Auslandes" sowie, an der Seite Michael Georg Conradsmehr..., der "Gesellschaft"mehr.... In dieser Zeit war auch sein umfangreiches, in rascher Produktion entstehendes literarisches Werk einigermaßen erfolgreich, das aus Romanen, Dramen und Lyrik bestand. In diesen Werken lebte der Sohn des seinerzeit berühmten Schlachtenmalers Georg Bleibtreu seine Vorliebe für "große" historische Ereignisse und Schlachten und für "große" historische, "heldenhafte" Persönlichkeiten und mannhafte Taten literarisch aus. Darüber hinaus machte sich Bleibtreu einen Namen als Fachautor für militärische Themen.

Berüchtigt war er jedoch wegen seines von Megalomanie und Intoleranz gekennzeichneten literarischen und literaturkritischen Wirkens. Bleibtreu sah sich in der Rolle eines Erziehers und Führers der deutschen Literatur, eingestandenermaßen sogar als ihr Erlöser. Für seine Egozentrik wurde er von der jüngeren Autorengeneration bewundert und gehasst. Nicht selten haben seine literaturkritischen Arbeiten die Funktion der Werbung fürs eigene literarische Werk. Den nachlassenden Erfolg seiner Romane und Theaterstücke führte der Chauvinist und Antisemit Bleibtreu auf gegen ihn gerichtete Verschwörungen der angeblich jüdisch dominierten Berliner Presse zurück. Seine Ablehnung des "konsequenten Naturalismus" beschleunigte seinen Abstieg als Kritiker. Nach 1908 publizierte Bleibtreu als wohl erster regelmäßiger Filmkritiker im deutschen Sprachraum noch zahlreiche Filmbesprechungen in der Schweizer Zeitschrift "Ähre".