Die Beurteilung auch der von Autorinnen veröffentlichten Literatur stand ganz im Zeichen der in der "Gesellschaft" vertretenen Wertmaßstäbe wie "Realismus", "Wahrhaftigkeit", "Modernität" usw.mehr.... Dabei standen Texte von Frauen häufig unter dem Verdacht, nur triviale Familienblattliteratur zu sein und nicht den Maßstäben des modernen Realismus zu entsprechen. In seiner Rezension der "Drei Schwestern" von Elsa d'Esterre-Reeling wendete sich der Kritiker H. Roller gegen diese Art von Literatur: "In Deutschland wünscht man bei einer Erzählung nicht blos [sic!] allerlei Frauenzimmer-Geplauder zu hören, sondern auch eine interessante Handlung zu verfolgen." (Die Gesellschaft, 2. Jg. 1886, S. 252.)

Auch die Frauenrechtlerin Johanna Elberskirchen knüpfte an die programmatische Erklärung der Gesellschaft in ihrer Einführung an, indem sie in ihrem Beitrag "Die Stellung der Frau zur Kunst und zum - Mann" forderte: "Darum fort mit der leider Gottes schon so berüchtigten Frauenlitteratur, die auf hundert Schritte schon nach Keller und Küche und Kaffeeklatsch duftet!" (Die Gesellschaft, 4. Jg. 1888, S. 405.) Damit war nicht nur die für Frauen, sondern gerade auch die von Frauen geschriebene Literatur gemeint. Das bedeutete eine "zumindest partielle Identifikation mit den Normen und dem Gesichtspunkt des Mannes."Funote

In ihrer Argumentation wendete sich die Frauenrechtlerin jedoch gegen das Dogma von einem Geschlechtsunterschied in der Kunst, der dem Schriftsteller "männliche Grenzen" und der Schriftstellerin "weibliche Grenzen" vorschreibt. Diese vorgeblichen weiblichen Kunstgrenzen bezog Elberskirchen eben auf jene Frauenliteratur, die sie mit "Keller und Küche und Kaffeeklatsch" bezeichnete. Da für Elberskirchen eine Frau, die nur in den engen, ihr von der Gesellschaft vorgegebenen Grenzen blieb, nur solche Kaffeeklatschliteratur verfassen konnte, rief sie die Frauen auf, diese Grenzen zu verlassen. Das einzige, was eine Künstlerin zu akzeptieren hatte, war der "ästhetische Wert" (ebd., S. 404). Am Ende ihres Artikels, der von der Redaktion mit dem Vermerk "Zuschrift aus dem Leserkreis" depotenziert wurde, distanzierte sich die Redaktion explizit von diesem Artikel.

Auch in einer Kurzrezension zu Mathilde Webers Abhandlung über "Ärztinnen für Frauenkrankheiten" wird deutlich, dass die Redaktion zwar der inhaltlichen Forderung nach mehr weiblichen Ärzten und damit verbunden einer Zulassung von Frauen zum Medizinstudium zwar zustimmte, aber von emanzipierten Frauen, die allzu deutlich für die Gleichberechtigung eintraten, nichts wissen wollten: "Wir nehmen keinen Anstand, ihrer Absicht beizupflichten, wünschen aber deshalb nicht minder, daß jene Frauen, die sich dem Studium der Medizin hingeben, sich nicht veranlaßt sehen, zu emanzipierten Mannweibern sich heranzubilden, sondern ihrem Geschlechte nur durch tüchtiges Wissen, nicht aber durch banale Phrasendrescherei von Nutzen sein mögen." (Die Gesellschaft, 4. Jg. 1888, S. 205) Die Formulierung "emanzipierte Mannweiber" zeigt die damals weit verbreitete Ablehnung von selbstbewusst und gleichberechtigt auftretenden Frauen. Auch viele der Frauenbewegung nahestehende Autorinnen distanzierten sich in ihren Beiträgen von dieser "extremen" Form der Emanzipation, wohl auch deswegen, weil sie nur auf diese Weise eine Chance bekamen, überhaupt in von Männern dominierten Zeitschriften wie der "Gesellschaft" gedruckt zu werden.

Eine solche Haltung zeigte auch Marie Conrad-Ramlo in ihrer Rezension der Zeitschrift "Die Frau im gemeinnützigen Leben", herausgegeben von Amélie Sohr und Marie Löper-Housselle. Einerseits lobte Conrad-Ramlo, dass diese Zeitschrift "klar und kräftig dafür ein[tritt], daß der Frau im gemeinnützigen Leben der ihr gebührende Platz neben dem Manne eingeräumt werde" (Die Gesellschaft, 4. Jg. 1888, S. 87). Andererseits lobte sie aber auch, dass die Zeitschrift den "sogenannten falschen Emanzipationsbestrebungen (Gleichstellung der Frauen mit den Männern im politischen Leben, aktive Beteiligung an der Tagespolitik usw.) [...] mit Entschiedenheit entgegen[tritt]." (Ebd.)

Gegenüber Arthur Roeßler, der über sie als gefeierte Schauspielerin am Münchener Hoftheater für die Zeitschrift "Bühne und Welt" 1901 ein Porträt verfasste, bekannte sich Conrad-Ramlo auch zu ihrer "naturgegebenen" weiblichen Aufgabe: "Es freut mich ja immerhin, daß man in mir eine bedeutende Künstlerin sieht, aber Sie dürfen nicht glauben, daß meine Bühnenthätigkeit die große Rolle in meinem Leben spielt. Ich bin lieber Schriftstellerin wie Schauspielerin, und noch lieber Mutter wie Schriftstellerin." (Bühne und Welt, 5. Jg. 1901, S. 961)