Keine Zeitschrift, die sich fortschrittlich gab, konnte sich um 1880 dem Thema der "Frauenfrage" verweigern. Damals organisierten sich zahlreiche Frauen in Frauenvereinen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung sah die Gleichberechtigung der Frau in erster Linie als eine Geschlechterfrage. Die bis dahin nur auf den häuslichen Bereich eingeschränkte Frau sollte die Möglichkeit zur Bildung und zur freien Berufswahl erhalten. Wie weit die Gleichberechtigung aber gehen sollte, darüber herrschte Uneinigkeit, auch innerhalb der sich engagierenden Frauen: So sollten zwar Reformen die Gleichstellung der Frau sichern, doch lehnten große Teile auch der Frauenbewegung eine zu weitgehende Emanzipation ab und bekannten sich zu der "von der Natur vorgegebenen" Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter.Funote

Conrads "Gesellschaft", die immer wieder Artikel zur Frauenfrage veröffentlichte, distanzierte sich mit redaktionellen Nachbemerkungen von allzu emanzipationsfreundlichen Beiträgen. Zugleich beherrschte eine "kollernde Männlichkeitsideologie"Funote das Weltbild der Autoren der "Gesellschaft": Die "Verweiblichung" der deutschen Gesellschaft wurde als Zeichen der Dekadenz gedeutet und sollte durch ein neues, mutiges Bekenntnis zur "Mannhaftigkeit" in Leben, Kunst und Kritik überwunden werden, wie der Herausgeber in seiner programmatischen "Einführung"Textbeispiel schrieb. Trotzdem richtete sich seine Einladung zur Mitarbeit nicht allein an Männer: "Darum laden wir alle geisterverwandten Männer und Frauen ein, sich mit uns thatkräftig zu vereinen" (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 2). Die sich in den folgenden Jahren in der "Gesellschaft" entfaltende kontroverse Diskussion zwischen Autoren und Autorinnen um Ziel und Zweck der Frauenemanzipation zeigt nach Agnes Strieder vor allem "die tiefe Verunsicherung des männlichen Geschlechts, das sich an den neuen Gedanken einer Gleichberechtigung der Frau im Beruf, Ehe und Alltag schlecht gewöhnen konnte und wollte."Funote