Marie Conrad-Ramlo (1850-1921) war eine der wenigen, heute vergessenen Literaturkritikerinnen des Naturalismus. Zu ihrer Zeit berühmt wurde sie jedoch als Schauspielerin am Münchener Hoftheater, wo sie unter anderem für ihre Rolle als Nora in Ibsens gleichnamigem Stück gefeiert wurde; Ibsen selbst soll sie als die "genialste Darstellerin" der Nora gerühmt haben.

Nach ihrer Heirat mit Michael Georg Conradmehr..., dem Herausgeber der "Gesellschaft"mehr..., rezensierte sie 1887 und 1888 mehrere Neuerscheinungen der dramatischen Literatur für die Zeitschrift ihres Mannes, teilweise unter ihrem (männlichen) Pseudonym "L. Willfried". In ihren Besprechungen bekannte sie sich zu dem realistisch-naturalistischen Standpunkt der "Gesellschaft", beurteilte die Stücke aber auch unter dem Gesichtspunkt der "Spielbarkeit" bzw. theaterpraktischen Umsetzbarkeit. Auffallend ist das große Selbstbewusstsein, das Conrad-Ramlos Beiträge immer dann auszeichnete, wenn sie unter ihrem Pseudonym veröffentlicht wurden. An Conrad-Ramlos Mitarbeit für die "Gesellschaft" lassen sich exemplarisch einige der Schwierigkeiten erkennen, mit denen Frauen, wollten sie sich Ende des 19. Jahrhunderts in die literarischen Debatten einschalten, zu kämpfen hatten.