Ein ähnliches Bild zeichnete auch Thomas Mann beim Tode Conrads 1927. Michael Georg ConradConrad hatte 1894 in der "Gesellschaft" für die erste literarische Veröffentlichung Manns, die Erzählung "Gefallen", gesorgt, und in dem Nachruf ist die Dankbarkeit Manns für diese frühe Förderung spürbar: "Conrad lebte sein bestes, stärkstes und fruchtbarstes Leben, als ich noch auf der verhaßten Schulbank saß und mit den begierigen Augen der Jugend hinausspähte ins geistige Leben der Welt. Er war aus Paris zurück damals, er verkündete die moderne Größe Zola's und half, da noch die Epigonen den Geschmack des Publikums beherrschten, die literarische Lufterneuerung durch den Naturalismus zu bewerkstelligen, die Atmosphäre zu schaffen, in der wir Jüngeren atmen sollten. Er riß die Türen und Fenster nach dem Auslande auf, er stand an der Spitze derer, die aus München die europäische Zentrale machten, die es einst war. [...] Er war wirklich der Mann dieser Stadt, und sie war wie er: bäuerlich volkhaft und weltoffen, und europäisch zugleich - das Ideal eines Mannes, das Ideal einer Stadt." (Thomas Mann, Gesammelte Werke Bd. 10, S. 447f.)

Ausgespart bleibt in diesen Würdigungen freilich Conrads Nähe zu Heimatkunst und völkischer Dichtung, die später für seine Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten sorgte. Conrads Nationalismus, seine Schwärmerei für Deutsch- und Germanentum, aber auch einige antisemitische Äußerungen sorgten dafür, dass 1925 der völkische Literaturkritiker Ottokar Stauf von der March in Conrad einen "Deutschen aus echtem Schrot und Korn" erkennen wollte.