Conrads Rolle als Kritiker war die des Lehrers, Erziehers, Führers und Vorkämpfers für eine neue Literatur und Gesellschaft. Kritik hatte für den ausgebildeten Lehrer und Freimaurer Conrad vorrangig eine pädagogische bzw. didaktische Funktion: Sie sollte Autoren, aber auch das Lesepublikum erziehen. "Der Frage: Leser, wie gefall' ich dir? setze ich mit einem Vorgänger im Handwerk getrost die andere entgegen: Leser, wie gefällst du mir? Nichts ist mir verhasster, als die unmännliche Liebedienerei, als das undeutsche literarische Buhlerthum mit den schlechten Neigungen im Publikum." (Conrad, Spanisches und Römisches, S. X. Zit. n. Stumpf, Conrad, S. 165)

Conrad arbeitete mit den Mitteln der Satire, Polemik und Ironie und praktizierte einen "militanten", rücksichtslos angriffslustigen Stil. Seine Feder verstand er als Schwert. Originelle Bilder und Vergleiche sowie Wortschöpfungen lassen sich in seinen Rezensionen häufig finden: "Der Zola'sche Naturalismus ist allerdings für den zahnlosen Gewohnheitsleser, der sich sein Leben lang auf den Konsum des idealistischen Novellen-Zuckerbrods beschränkt hat, eine harte Nuß!" (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 803)

Die unablässige Kritik an den gesellschaftlichen und literarischen Zuständen war für Conrad eine "vaterländische Angelegenheit": "Es gibt eine Sorte von Kritik, die ein notwendiges Uebel ist, wie es eine Sorte von Kunst gibt, die das gleiche ist. Dieselben haben sich gegenseitig nichts vorzuwerfen. Wenn sie aber in stolzem Paradeschritt an einander vorbeimarschieren und kuriose Grimassen schneiden, so schlagen wir uns flugs auf die Seite des Publikums und der Lacher. In solchem Falle vergißt man freilich für einen Augenblick, daß die Kritik eine vaterländische Angelegenheit und eine ernste Sorge vornehmer Geister sein kann. / Uns persönlich ist die Kritik auch keine regelmäßige Arbeit, die sich abspielt wie ein Metier; wir haben unsere guten Stunden, wo wir vom eigenen Schaffen uns erholen in der kritischen Betrachtung des Schaffens Anderer auf eigenem und verwandtem Gebiete. Und in diesen guten Stunden ist uns die Kritik keine Last, kein Vorwand zu übler Laune, sondern eitel Freude und Anregung, - selbst wenn wir dann und wann die Peitsche gegen allerlei produzierendes Volk grausam schwingen, bleibt unser Herz fröhlich." (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 886)