Conrad verstand sich als Vorkämpfer für eine neue Literatur, aber auch für eine neue Kritik; beiden sollte seine "Gesellschaft" den Weg bahnen: "Fort, ruft unsere "Gesellschaft", mit der geheiligten Backfisch-Litteratur, mit der angestaunten phrasenseligen Altweiber-Kritik, mit der verehrten kastrierten Sozialwissenschaft! Wir brauchen ein Organ des ganzen, freien, humanen Gedankens, des unbeirrten Wahrheitssinnes, der resolut realistischen Weltauffassung!"Textbeispiel(Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 1. Hervorhebung im Original).

Gegen die von ihm als "Kritikaster" und "Richtbeilschwinger" beschimpften Rezensenten der bürgerlichen Tageszeitungen, Familienblätter und Kunstzeitschriften führte er in seiner Zeitschrift einen jahrelangen Feldzug in Form von Rezensionen, Leitartikeln und speziell der bürgerlichen Kritik gewidmeten Artikelserien wie "Unsere litterarische Kritik" und "Zur Geschichte der deutschen Kritik". In ihnen rechnete Conrad anhand exemplarischer Kritiker mit der alle realistischen Neuerungen ablehnenden Tageskritik ab: So z. B. mit einem Ulmer Pfarrer, der für das "Deutsche Litteraturblatt" rezensierte und sich kritisch über die naturalistische Bewegung geäußert hatte. Ihn nahm Conrad stellvertretend für die ganze katholische Literaturkritik aufs Korn: "Etwas bedenklicher sieht sich die Sache an, wenn die geistlichen Schriftsteller in die kritische Arena herabsteigen, sich als ‚Ästhetiker alten Schlages' an die modernen realistischen Romanschriftsteller heranmachen und, statt mit voller Kenntnis, Ernsthaftigkeit und bestem Willen für die Wahrheit in die Schranke zu treten, mit unzureichender Kenntnis, frivoler Schnodderigkeit und eitlem Gebahren an der Wahrheit herummeucheln, um sie zu Fall zu bringen." (Die Gesellschaft, 5. Jg. 1889, S. 550) In anderen Beiträgen verspottete er anonyme Rezensenten und führte anhand ausführlicher Zitate deren Inkompetenz und Schwächen vor.

Conrads Kampf galt jenem Bündnis aus bürgerlicher (und christlicher) Literaturkritik, staatlicher Zensur und kultureller Sittenwächterei: "Das ist in der Regel das erste, was ein deutscher Dramatiker erlebt: Chikanen der Censur in jeder Gestalt, vom brutalen Verbot eines Werkes bis zur Verstümmelung einzelner Teile, Sätze, Worte." (Die Gesellschaft, 9. Jg. 1893, S. 816) Der Sittenwächterei warf er vor, alles Neue, Moderne und Zeitgemäße in der Literatur im Keim zu ersticken: "Wir haben zweierlei Maßstäbe, zweierlei Augen und Ohren - die einen für das Alte: da ist nahezu alles erlaubt, die anderen für das Neue: da ist nahezu alles verpönt." (Die Gesellschaft, 6. Jg. 1890, S. 423)

Das Augenmerk des Förderers der Frauenemanzipation galt dabei auch dem weiblichen Lesepublikum, dessen potenzielle sittliche Gefährdung der bürgerlichen Literaturkritik häufig die Zensur oder das Verbot realistischer Literatur legitimieren sollte. Für Conrad gefährdete der tabuisierte Umgang mit Sexualität und anderen "Nachtseiten" des Lebens in Literatur und Kultur die gesellschaftliche Moral mehr als jede offen ausgesprochene Wahrheit: "Es ist eine haarsträubende Geschichte, die der Naturalist [Zola] dem Leser vorführt - ich wage nicht zu sagen der Leserin; denn bei der gegenwärtigen Beschaffenheit unserer öffentlichen Erziehung, welche die soziale Sittlichkeit mit dem Scheine absoluter Unwissenheit in geschlechtlichen Dingen - kopflos genug - zu befördern vermeint, wird man gemeint sein, Zola's letzte Romane, wie die Bibel in den Klöstern des Mittelalters, mit einer eisernen Kette an den Bücherschrank zu fesseln, damit sie Frauen und Töchtern von sittiger Gesinnung und feinem Gefühl nicht in die Hände fallen. Die verassekurierte Sittlichkeit unserer Feigenblatt-Pädagogik gestattet nur das lyrisch verblümte Phantasiespiel mit der Liebe und scheut vor der nackten Wahrheit zurück, weil das sozial-sittliche Ideal der Geschlechtsliebe nicht in die spröde Lastermoralität unserer angestammten Erziehungsweisheit paßt. So wie heute die Jugend erzogen wird, fehlt die Unschuld selbst da, wo die Jungfräulichkeit noch vorhanden ist. Alle halbe Kenntnis geschlechtlicher Verhältnisse ist ungleich gefährlicher, als die ganze. Allein die Halbheit paßt so wundervoll in das System unseres sozial-pädagogischen Versteckspiels, unserer schulmäßigen Vernunftverdunkelung! [...]" (Die Gesellschaft, 1. Jg. 1885, S. 801)