Michael Georg Conrad war eine der zentralen Figuren der naturalistischen Literaturbewegung, speziell des "Münchner Naturalismus". Er wirkte als Literaturkritiker und -vermittler, Publizist, Zeitschriftenherausgeber, Redakteur und Förderer. Die von ihm 1885 in München gegründete und herausgegebene Zeitschrift "Die Gesellschaft. Realistische Wochenschrift für Litteratur, Kunst und öffentliches Leben"mehr... war bis zur Gründung der "Freien Bühne für modernes Leben" 1890 das Hauptorgan der "Jüngstdeutschen". In seiner programmatischen Rundschauzeitschrift trat Conrad in zahlreichen Essays, Leitartikeln und Rezensionen für eine im Sinne des Realismus und Naturalismus erneuerte deutsche Literatur, aber auch Gesellschaft ein. Mit Werten wie "Wahrheit", "Wahrhaftigkeit", "Individualität", "Subjektivität", aber auch "Gesundheit", "Volkstümlichkeit", und "Heimatverbundenheit" sowie mit biologischen Kategorien ("männlich" - "weiblich") sollte das "Epigonentum" der affirmativen Gründerzeitkultur überwunden werden. Literatur sah Conrad stets in einem gesellschaftlichen Kontext. Entsprechend verbanden sich bei ihm literaturkritische mit politischer und sozialer Publizistik. Als Autor agierte er in der Rolle des Führers und Erziehers von Lesepublikum und Volk.

Bekannt wurde Conrad vor allem durch sein Eintreten für das in Deutschland heftig befehdete Werk Émile Zolas, Michael Georg Conrad was ihm den Scherztitel "Prophet Zolas" eintrug. Ein anderer Titel wurde ihm von seinem langjährigen Freund und Weggenossen Karl Bleibtreumehr... verliehen, der ihn wegen seines martialischen Kritikstils als den "ritterlichen Hutten der litterarischen Revolution" rühmte. Während Conrads Bedeutung als Wegbereiter für den Naturalismus kaum überschätzt werden kann, blieb sein umfangreiches literarisches Werk eher wenig beachtet. In späteren Jahren verstärkten sich seine Theorie- und Intellektfeindlichkeit und führten in seiner gesellschaftspolitischen wie literarisch-publizistischen Tätigkeit zu einer zunehmenden Verherrlichung von Volks- und Bauerntum, Germanentum und des einfachen, großstadtfernen Lebens in der Provinz. Als Vertreter der völkisch orientierten Heimatkunst postulierte Conrad den später von der nationalsozialistischen Kulturpolitik viel zitierten Zusammenhang von "Blut" und "Boden" in der Kunst.