Den Brüdern Heinrich und Julius Hart kommt in der Entwicklung der naturalistischen Bewegung eine Schlüsselrolle zu. Sie wirkten vor allem als Literatur- und Theaterkritiker sowie als literaturtheoretische Programmatiker und Zeitschriftenherausgeber. Julius Hart Mehr noch als ihre in den 1880er Jahren stets nur kurzzeitig existierenden Organe "Deutsche Dichtung", "Berliner Monatshefte", "Deutsche Monatsblätter" und "Kritisches Jahrbuch" gelten ihre "Kritischen Waffengänge" (1882-84)mehr... als Ausgangspunkt für den Naturalismus in Deutschland. Mit ihren literaturkritischen Beiträgen wurden die Harts zum Sprachrohr ihrer Generation. Für die jungen Autoren wurden sie in der Berliner Bohème zur wichtigen Anlaufstelle. Ihre heute vergessenen literarischen Werke blieben dagegen weitgehend resonanzlos.

Als Kritiker bekämpften die Harts am Beispiel repräsentativer Literaturgrößen Symptome der affirmativen Literatur der Gründerzeit. Dazu gehörten u.a. Epigonentum, Dilettantismus, Phrasenschwulst und gehaltloser Formalismus. Die Harts proklamierten eine neue Literatur, die modern-gegenwartsorientiert und zugleich national-volkstümlich, die realistisch und zugleich idealistisch sein sollte. Als Muster galten ihnen die Sturm und Drang-Bewegung und das Werk des jungen Goethe. Von der Literaturkritik forderten sie eine neue Ernsthaftigkeit. Ästhetische Urteile sollten objektiv begründet sein. Mit seiner Arbeit sollte der Kritiker auch den ästhetischen Geschmack des Publikums erziehen und der modernen Literatur zum Durchbruch verhelfen, gemäß dem Hartschen Motto "Pflügen und Pflegen". Als Vorbilder verwiesen sie auf die literaturkritische Praxis Lessings und Herders.

Da sie an idealistisch-konservativen Positionen festhielten und im Dichter das Genie, den priesterähnlichen Propheten und Führer sahen, gerieten die Harts innerhalb der sich radikalisierenden naturalistischen Bewegung bald ins Abseits. Dagegen wurden sie um 1900 noch einmal zu beachteten Programmatikern gegennaturalistischer Strömungen. Sie gründeten Lebensreform-Projekte wie die "Neue Gemeinschaft", zu der zeitweise auch Erich Mühsam, Gustav Landauer und Else Lasker-Schüler fanden. In der Rolle von Dichter-Priestern und Religionsstiftern veranstalteten sie esoterische Weihefeste und propagierten die mystische "All-Einheit", ein wiedererwachtes "Germanenthum" und den "Über-Menschen". Gleichzeitig begleiteten sie als Literatur- und Theaterkritiker, zuerst für die "Tägliche Rundschau", nach 1900 für den "Tag", weiterhin das literarische Leben, Heinrich bis zu seinem Tod 1906, Julius bis 1930.