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Literaturkritik in Deutschland

Theorie und Praxis vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Ein multimediales Informations- und Lernsystem

im Förderprogramm »Neue Medien an der Hochschule« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Zusammenfassung: Projektiert ist ein multimediales Informations- und Lernsystem zur Geschichte und gegenwärtigen Situation der Literaturkritik in Deutschland. Es präsentiert Grundbegriffe, theoretische Voraussetzungen, historische Phasen, maßgebliche Autoren, bedeutende Textbeispiele sowie Informationen zur aktuellen Berufswelt. Es dient der Präsenzlehre und dem Selbststudium vor allem an Universitäten.

Projektziel

Das Projekt im Förderprogramm »Neue Medien an der Hochschule« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt ein digitales und multimediales Hypertext-Informationssystem, das als Lernsoftware für Studiengänge im Bereich Literatur- und Medienwissenschaften angeboten wird. Es entsteht in Kooperation der Universitäten Rostock und Marburg. Das Projekt wird Ende 2003 abgeschlossen sein. Im Anschluß daran wird es an beiden Universitäten gepflegt und weiterentwickelt.

Projektleitung

Prof. Dr. Rainer Baasner, Institut für Multimedia und Datenverarbeitung in den Geisteswissenschaften der Universität Rostock (August-Bebel-Str. 28, 18051 Rostock, e-mail: RaiBaa@aol.com)

Prof. Dr. Thomas Anz, Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien der Philipps-Universität Marburg (Wilhelm-Röpke-Str. 6a, 35032 Marburg, e-mail: anz@mailer.uni-marburg.de)

Gegenstand

Gegenstand des Projektes ist Literaturkritik in ihren vielfältigen Erscheinungsweisen. Dabei dominieren drei Perspektiven: die historische Dimension von Literaturkritik, die theoretisch-systematische Dimension und die Dimension literaturkritischer Berufspraxis in der Gegenwart.

1. Die historische Dimension

Dargestellt werden historische Verlaufsphasen der Literaturkritik vom 17. Jahrhundert bis heute. Das Gegenstandsfeld ist weitgehend auf die Entwicklungen im deutschen Sprachgebiet beschränkt, vergleichende Seitenblicke auf die europäischen Nachbarkulturen stellen jedoch die Befunde in einen weitergefaßten europäischen Rahmen. Die historische Dimension wird anhand analytischer Darstellungen zu maßgeblichen Kritikern, ihren Texten, den Formen ihrer sozialen Institutionalisierung sowie ihrer medialen Präsentation und ihrer Verbreitung entfaltet.

Die Darstellung beschränkt sich damit nicht auf einzelne Akteure und Artefakte, sondern betrachtet diese zugleich als beispielhafte Konkretisationspunkte allgemeiner struktureller Gegebenheiten. Herausgearbeitet werden die unterschiedlichen Möglichkeiten, Literaturkritik unter verschiedenen sozial- und literarhistorischen Rahmenbedingungen zu konzeptionalisieren und zu realisieren, so daß die Herkunft und Legitimation heutiger Literaturkritik in einem kontinuierlichen Kulturzusammenhang betrachtet werden kann.

Besondere Aufmerksamkeit erfährt die literaturkritische Alltagspraxis, wie sie sich im andauernden Dialog mit Autoren, Verlagen und Publikum entfaltet. Als Textgattung gewinnt hier die Rezension besonderes Profil. Damit grenzt sich das Projekt ab von jenen literaturwissenschaftlichen Forschungsansätzen, die unter dem Stichwort »Literaturkritik« Probleme ästhetischer Normen oder literarischer Wertung in den Vordergrund stellen.

2. Die theoretisch-systematische Dimension

Neben Explikationen des Begriffs »Literaturkritik« in Abgrenzungen von Begriffen wie »literary criticism«, »critique literaire«, aber auch »Textkritik« oder »Literaturwissenschaft« sollen die Literaturkritik und ihre spezifischen Funktionen im System literaturvermittelnder Institutionen verortet, ein theoretisches und begriffliches Instrumentarium zur Analyse der sozialen Rolle von Kritkern entwickelt und die Argumentationslogik literaturkritischer Wertung rekonstruiert und das Spektrum der publizistischen Gattungen literaturkritischer Praxis dargestellt werden.

3. Die berufspraktische Dimension

Im Hinblick auf Erfordernisse der publizistischen Berufspraxis werden grundlegende Informationen über Voraussetzungen literaturkritischer Tätigkeit, über Ausbildungsmöglichkeiten, Institutionen,ökonomischen Bedingungen und Möglichkeiten der Recherche bereitgestellt. Einführungen zur literaturkritischen Schreib- und Vermittlungspraxis in alten und neuen Medien erfolgen in Form verschiedener interaktiver, multimedial gestützter Anleitungen und Übungen.

Methode

Das Projekt kombiniert innovative Forschung auf dem Gebiet der Geschichte, Theorie und Praxis der Literaturkritik mit didaktischen, medienadäquaten Präsentationen der Ergebnisse. So wird eine enge Verbindung von Lehre und Forschung generiert; bereits in der Entstehungsphase ist das Projekt in Marburg und Rostock in Studiengänge eingebunden, so daß eine regelmäßige Evaluation unter unterrichtspragmatischen Gesichtspunkten erfolgen kann.

Hermeneutische und sozialhistorische Verfahrensweisen bezieht das Projekt auf eine besonders breite Materialbasis, die den Benutzern im Hypertext-System zur Verfügung gestellt wird. Die Präsentation nutzt die medialen Möglichkeiten, quantitativ große Korpora gut erschlossen so bereitzustellen, daß Interessenten mit wenig Aufwand auf sie zugreifen können. Präsentiert werden neben Beiträgen zur Forschung zahlreiche Abbildungen und Quellentexte, Videoausschnitte und Audiodokumente sowie Musteranalysen exemplarischer Beispiele literaturkritischer Praxis.

Die medienadäquate Darstellung und Dokumentation ist auf die spezifischen Strukturen des digitalen Hypertextes zugeschnitten: Im Vergleich zu gedruckten Studien in den alten Medien bedeutet dies, daß Thesen, Deskriptionen und Argumentationen in ihren Hauptlinien pointiert hervorgehoben und hierarchisiert werden. Das Projekt grenzt sich damit ab von dem nach wie vor verbreiteten Verfahren, monographische Darstellungen traditionellen Stils ohne konzeptionelle Veränderungen zu digitalisieren.

 

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