Philipp zu Luther im April 1532, Tischreden

Klein sei er von Person, womit Luther und andere seiner berühmten Zeitgenossen aber mehr den Machtbereich seines Hessenlandes als seine Körpergröße meinten. Vermessen schien deshalb vielen sein Ehrgeiz, verwegen sein Mut, skrupellos und revolutionär seine Politik, die sich auf weite Teile Europas richtete. Zu seinen entschiedensten Feinden zählten keine Geringeren als Kaiser und Papst, zu seinen engen Verbündeten der glanzvolle Königshof in Frankreich und die protestantischen Fürsten von Sachsen und Württemberg, denen er als militärischer Hauptmann voranritt. Im Einverständnis mit den Reformatoren löste Philipp zum Zwecke des „gemeynen Nutz“ die Klöster Hessens auf und gründete an deren Stelle neue Schulen, Hospitäler und Universität, die noch heute bestehen. Eben 25-jährig glaubte er, die theologischen Streitigkeiten der evangelischen Wortführer in einem international besetzten „Religionsgespräch“ schlichten zu können, schuf eine eigene Kirchenordnung, reformierte seine Landesverwaltung von Grund auf und kämpfte gegen kaiserliche Truppen, rebellische Ritter und aufständische Bauern. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges lieferte er sich wegen seiner leidenschaftlichen Liebe zu einem Hoffräulein, die er mit einer Doppelehe besiegelt hatte, seinen Gegnern aus. Als gefährlichster Anführer der im ersten neuzeitlichen Glaubenskrieg eskalierenden Luthersache musste er sich dem Kaiser unterwerfen und wurde schließlich fünf Jahre lang fern der Heimat in demütigende Gefangenschaft gesetzt.

Landgraf Philipp von Hessen, 1504 in Marburg geboren und 1567 in Kassel verstorben, gilt unbestritten als eine der profiliertesten, schillerndsten und dramatischsten Gestalten der deutschen Geschichte. Sein Beiname Magnanimus – der Großmütige – signalisiert die umfassende Wertschätzung die ihm von den Reformatoren, seinen europäischen Verbündeten und nicht zuletzt auch von seinen Landsleuten zugestanden worden ist. In seiner Biographie bündeln sich nahezu alle großen Umwälzungen am Beginn der Neuzeit.

Zeitstimmen                     

 

 

 

 

Landgraf Philipp zu Pferd


 

Belagerung von Wolffenbüttel

 
 

Franz von Sickingen