Die Abteilung Immunbiologie beschäftigt sich mit der mikroskopischen Anatomie der sekundären lymphatischen Organe bei Menschen und Nagetieren, speziell mit der Milz, den Lymphknoten und den menschlichen Tonsillen (Mandeln). Die mikroskopische Struktur menschlicher Milzen konnte weitestgehend aufgeklärt werden. Aktuell stehen speziellere Fragen, wie z. B. die Struktur von Kapillarhülsen der menschlichen Milz und die Struktur von Keimzentren der Sekundärfollikel in Milz und Tonsillen bei Menschen im Vordergrund. Zusätzlich wird die mikroskopische Anatomie des menschlichen Knochenmarks analysiert, insbesondere die dreidimensionale Anordnung kleinster Gefäße. Zähne und Zahnpulpa bilden ein weiteres Forschungsthema. In der Vergangenheit wurden Probleme der experimentellen Organtransplantation und der Phänotypisierung, Reinigung und Funktion von Monozyten bei Ratten untersucht.

Mikroskopische Anatomie der sekundären lymphatischen Organe bei Menschen

Nachweis von Immunglobulin D in einer Tonsille: Die B-Lymphozyten in den Mantelzonen mehrerer Sekundärfollikel unter dem Kryptenepithel sind braun gefärbt. Die Keimzentren bleiben hell.

Wir untersuchen in den sekundären lymphatischen Organen mit immunhistologischen Methoden, wie B- und T-Lymphozyten sowie dendritische Zellen im Netzwerk der ortsständigen Bindegewebszellen (Stromazellen) angeordnet sind. Hierbei interessieren uns besonders Ansammlungen wandernder B-Lymphozyten, die sogenannten Follikel. Follikel können als Primärfollikel oder im Verlauf von Immunreaktionen als Sekundärfollikel mit Keimzentren auftreten.

Spezielle Forschungsthemen sind der Aufbau von Sekundärfollikeln in der menschlichen Milz, die Lokalisation und Zellbesiedlung der sogenannten Marginalzone der Milzfollikel und die Expression von Zelloberflächenglykoproteinen, Chemokinen und Zytoskelettkomponenten in Stromazellen. Zusätzlich erforschen wir die Anordnung des offenen und geschlossenen Kreislaufsystems der Milz und analysieren die Zellzusammensetzung der Kapillarhüllsen. In Milz, Lymphknoten und Tonsillen beschäftigen wir uns darüberhinaus mit den Stromazellen der Follikel, den sogenannten follikulären dendritischen Zellen, und mit der Anordnung von B-Gedächtniszellen und antikörperproduzierenden Plasmazellen.

Mikroanatomie des menschlichen Knochenmarks

Wir haben eine Technik entwickelt, um nicht-entkalkte humane Knochenproben aus dem Femurkopf und dem Beckenkamm einzubetten, zu schneiden und immunhistologisch zu färben. In diesem Jahr ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit Herrn Dr. O. Lobachev (Abteilung Prof. Dr. M. Guthe im Fachbereich Informatik der Universität Bayreuth), die Anordnung der speziellen Mikrogefäße (Kapillaren und Sinus) im Knochenmark von Beckenkammproben mit Hilfe immunhistologisch gefärbter Serienschnitte dreidimensional zu rekonstruieren.

Mikroskopische Anatomie von Zähnen und Zahnpulpa bei Menschen:

Die Hartsubstanzen der Zähne (Schmelz, Dentin und Zement) stellen die härtesten Materialien im menschlichen Körper dar. Es ist deshalb nicht möglich, Zähne ohne Entkalkung für mikroskopische Untersuchungen zu schneiden. Aus diesem Grund wurde in Zusammenarbeti mit Herrn Prof. Dr. V. Stachniss (Histologielabor, Zahnklinik der Universität Marburg) ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, Zähne in Kunststoff einzubetten, sie anschließend in Scheiben zu sägen und die Scheiben sehr dünn (ca. 20 µm) zu schleifen. Der Kunststoff kann aus diesen Zahnschliffen wieder herausgelöst werden. Auf diese Weise ist es möglich, die im Inneren der Zähne gelegene Zahnpulpa anschließend immunhistologisch zu untersuchen. Wir beschäftigen uns zunächst mit kleinen arteriellen Gefäßen und sensiblen Nerven, die in der Zahnpulpa sehr ungewöhnlich angeordnet sind.

Für Studierende des Fachs Zahnmedizin haben wir 2010 als Ergänzung zu den üblichen Histologie-Lehrbüchern ein Kurzlehrbuch für Zahnhistologie publiziert.