Geschichte des Wappens

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung vom 02.06.2001, Hessische Kommunalwappen von Heinz Ritt

Am 25. März 1895 beschloss der Marburger Stadtrat, das vor 1227 im Stadtsiegel geführte Reiterbild des Thüringer Landgrafen als Wappen der Stadt anzunehmen. Das Wappen wurde gestaltet von dem bedeutenden Heraldiker Emil Doepler d.J. und wird bis heute in dieser Form geführt (siehe Abbildung). Die Blasonierung lautet: In Rot auf silbernem Ross der gepanzerte hessische Landgraf mit Topfhelm und blauem Waffenrock in der Rechten eine goldene dreilanzige Fahne mit einem blauen gotischen M, links den hessischen Löwenschild haltend. Die von der Stadt geführte Flagge ist blau-weiss-rot geteilt.

Das Siegelbild des reitenden Landgrafen wurde noch in zwei weiteren Siegeln des 13. Jhs. geführt. Drei kleine Siegel des 14.-17. Jhs. zeigen dagegen nur den Helm des Landgrafen mit Zier und Decken. Der landgrafliche Helm allein oder zusammen mit dem städt. Gemerke M wird im 15. . 16. Jh. neben den Siegeln auch als Wappen geführt. So zeigt z.B. das Rathausportal von 1524 unter dem von der hl. Elisabeth gehaltenen Schild der Landgrafenschaft Hessen die beiden städtischen Symbole, Helm und Gemerke, in zwei Schilden, die zwischen ihnen von einem sitzenden Löwen gehalten werden. Ferner hat die Stadt, wie auf einem städtischen Geschützrohr von 1509 erkennbar ist, auch ein Löwenschild mit dem Gemerke M geführt.

Geschichte der Stadt Marburg

Quelle: Das deutsche Städtelexikon von Fritz Siefert

Die "Marcburg" der thüringischen Landgrafen wird erstmals 1130 und die gleichnamige Marktsiedlung und Münzstätte um 1140 urkundlich erwähnt. Stadtrechte erhielt Marburg vor 1222. Elisabeth, die verwitwete Landgräfin von Thüringen, gründete 1228 das Franziskushospital, das der deutsche Ritterorden nach ihrem Tode (1231) übernahm. Über dem Grabe der Landgräfin errichtete der Orden die frühgotische Elisabethkirche (1236 beg.). Von 1248 bis 1604 war Marburg Sitz der Landgrafen von Hessen. 1527 gründete Landgraf Philipp der Großmütige die erste protestantische Universität (in den Gebäuden des ehem. Dominikanerklosters), und 1529 vermittelte er in der vergeblichen Hoffnung, eine Spaltung der Protestanten verhindern zu können, das Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwingli. Nach dem Tode des letzten in Marburg residierenden Landgrafen (1604) stagnierte die Stadt, fortan Streitobjekt zwischen Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel, in ihrer Entwicklung. Mit Kurhessen kam Marburg 1866 unter preußische Herrschaft, was sich für die Stadt positiv auswirkte (Aufschwung der Universität, markiert durch Namen wie Robert Bunsen, Emil von Behring, Hermann Cohen und Paul Natorp; Gründung der Behringwerke). Den 2. Weltkrieg überstand Marburg ohne Zerstörungen.

Quelle: Reisen und Speisen in Hessen von Kurt S. Jaeger

Kann man sich Marburg als eine große Industriestadt vorstellen mit einem großen Automobilwerk wie in Wolfsburg oder Rüsselsheim? Kaum zu glauben von diesem Urbild einer romantischen Stadt. Dennoch wäre es beinahme dazu gekommen. 1895 suchte Karl Benz in Deutschland nach einem geeigneten Industriegelände, um darauf das erste Automobilwerk der Welt zu bauen - und fand es auf den "Affölter Wiesen" beim Marburger Bahnhof. Doch dieser Plan zerschlug sich. Marburg ist die Stadt der Universität geblieben, ihre "größte Industrie", wie es spöttisch, aber zutreffend heißt.


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