Cucurbita verflüssigt
Salix caprea L.
Cucurbita verflüssigt

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Trivialnamen: Sal-Weide; Goat Willow; Great Sallow
Familie: Salicaceae
Merkmale: zweihĂ€usiger kleiner Baum oder großer Strauch; BlĂ€tter elliptisch, Spitze meist schief gefaltet, unterseits dicht behaart, der Hauptnerv vorspringend; Rinde mit rautenförmigen AufsprĂŒngen; blĂŒht vor dem Laubaustrieb; StaubblĂ€tter unbehaart.
Heimat: Eurasien
Blütezeit: MĂ€rz - April
Bemerkungen: Sehr schnellwĂŒchsiges Pioniergehölz, wegen der frĂŒhen BlĂŒte eine wichtige Bienenfutterpflanze. Geschnittene Ruten bewurzeln sich leicht (Schulversuch), was bei Böschungsbepflanzungen genutzt wird. BlĂŒten ohne BlĂŒtenhĂŒlle, nur mit einem Nektarium versehen. Als Zierpflanzen werden die mĂ€nnlichen Pflanzen bevorzugt, viele Sorten sind im Handel. Der Name geht auf das althochdeutsche 'Salwida' zurĂŒck (Sal = Weide auf altdeutsch), caprea (capra = Ziege) erst seit LinnĂ©, vielleicht wegen der frĂŒheren Nutzung als Ziegenfutter. Genaust vermutet den Bezug von unterseits rauhem Ziegenleder mit der filzigen Blattunterseite, da Bauhin diese Art 'Salix latifolia inferne hirsuta' (breitblĂ€ttrige, unterseits behaarte Weide) genannt hatte. Leider kann man LinnĂ© nicht mehr fragen. Auch der lateinische Gattungsname (seit dem 3. Jhd. v. Chr.) geht auf die indogermanische Wurzel 'sal(i)k' = Weide, und dies von 'sal' = schmutziggrau (graue Rinde? graue Blattunterseiten mancher Arten?) zurĂŒck. Ohne den Wirkmechanismus zu kennen setzten schon Ägypter, Griechen und Römer, auch Hildegard von Bingen, Weidenrinde (pharmazeutisch 'Salicis cortex' genannt) als fiebersenkendes, schmerzlinderndes und abschwellendes Mittel ein. Die Rinde enthĂ€lt Salicin (SalicylsĂ€urederivat mit Glukose), eine gelbliche, kristalline Masse, von J.A.Buchner 1828 aus der Weidenrinde extrahiert, welches durch Spaltung SalicylsĂ€ure liefert. Dies wurde 1838 durch Raffaele Pivia (ital. Chemiker) durch Hydrolyse von Salicin in Glukose und Salicylalkohol und anschließender Oxidation zu SalicylsĂ€ure erklĂ€rt, welches die medizinisch wirksame Substanz ist. SalicylsĂ€ure reizt als starke SĂ€ure jedoch die MundschleimhĂ€ute und hat magenschĂ€digende Wirkungen. Dies wurde zunĂ€chst durch Verwendung des Natriumsalzes der SalicylsĂ€ure umgangen, mit dem Nachteil eines außerordentlich ĂŒblen Geschmacks der Medizin. Acetylierung, die Umsetzung mit EssigsĂ€ure (OH-Gruppe wird durch Acetyl-Gruppe ersetzt, zuerst 1853 durch Gebhardt, spĂ€ter 1897 chemisch rein durch Felix Hoffmann) lindert dies und wurde 1899 von BAYER mit einem Wahrenzeichen geschĂŒtzt. Aspirin setzt sich aus A fĂŒr Acetyl und Spir fĂŒr die mit SalicylsĂ€ure identische SpirsĂ€ure zusammen. Aus den BlĂŒten von 'Spiraea ulmaria' (heute: Filipendula ulmaria, dem MĂ€desĂŒĂŸ) wurde nĂ€mlich ebenfalls Salicylaldehyd gewonnen (1831 durch Johann Samuel Friedrich Pagenstecher, Apotheker aus Bern) und daraus 'SpirsĂ€ure' (=SalicylsĂ€ure) synthetisiert (1835 durch Karl Löwig, deutscher Chemiker). In der Tat kommt im MĂ€desĂŒĂŸ der SalicylsĂ€uremethylester (mit Methylgruppe) vor, welcher Hauptbestandteil des 'Wintergreen Oil' ist, benannt nach Gaultheria procumbens (Wintergreen, Rebhuhnbeere, Scheinbeere, bei uns eine beliebte bodendeckende Zierpflanze). Bei Zerreiben der MĂ€desĂŒĂŸ-Sprosse wird das aromatisch riechende Wintergreen-Oil frei (SalicylsĂ€uremethylester). Eine billige synthetische Herstellung von SalicylsĂ€ure gelang 1859 Hermann Kolbe (zunĂ€chst Assistent bei Wilhelm Röntgen und spĂ€ter sein Nachfolger in Marburg). Die innere Rinde wurde in Notzeiten gemahlen und dem Brot zugesetzt, was allerdings das Brot wegen der SalicylsĂ€ure bitter macht. Die Borke soll sogar als Lederersatz gedient haben.Das Holz ist weich, elastisch und leicht zu spalten, liefert eine gute Holzkohle. Weidenruten werden jĂ€hrlich (fĂŒr flexible waagerechte Flechtruten) oder zweijĂ€hrig (fĂŒr die aufrechten FlechtstĂ€be) geschnitten und zu Flechtwerk verarbeitet, meist als Korbwaren. HierfĂŒr werden allerdings eher die Korb-Weide (S. viminalis), die Silber-Weide (Salix alba) und die Mandel-Weide (Salix triandra), aber auch die Bruch-Weide (Salix fragilis) verwendet. Weiterhin interessant ist die amerikanische Salix rigida, welche ebenfalls gut geeignete Ruten liefert.
Schlagwörter: Asien · Europa · Sprossachse · Technisch nutzbare Pflanze
Abbildungen:
Salix caprea L. Salix caprea L. Salix caprea L.