Cucurbita verflüssigt
Ficus carica L.
Cucurbita verflüssigt

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Trivialnamen: Feigenbaum; Common Fig
Familie: Moraceae
Merkmale: laubabwerfender Baum; BlĂ€tter tief, handförmig,3-5fach gelappt, rauh, manchmal wohlriechend; FrĂŒchte in FruchtverbĂ€nden.
Heimat: Vorderasien
Blütezeit: FrĂŒhjahr (profichi), Sommer (mammoni oder fichi), Herbst (mamme, Namen fĂŒr Bocksfeige oder Wildfeige)
Bemerkungen: Es gibt ca. 800 Arten in der Gattung. Feigen sind FruchtverbĂ€nde aus SteinfrĂŒchten welche als Frisch- und besonders als Trockenobst verzehrt werden. Die BlĂŒtenstandsachse entwickelt sich becherförmig, die einzelnen BlĂŒten sitzen dessen InnenflĂ€che auf, gegessen wird der Fruchtstand als Ganzes (besonders in der englischen Literatur als Syconium bezeichnet, von gr. 'sykon' = Feige). Der Feigenbaum ist einer der Ă€ltesten Kulturpflanzen der Menschheit (laut Mabberley ab 4000 v. Chr. in Ägypten angebaut). Ausgrabungen im Jordantal (9000 v. Chr.) fanden samenlose Feigen, was als erste menschenabhĂ€ngige Nutzung interpretiert werden kann. Somit ist in der Tat der Feigenbaum Kandidat fĂŒr die Ă€lteste Nutzpflanze. Zusammen mit Olivenbaum, Karobbaum und Mandel ist er einer der CharakterbĂ€ume der Mediteraneis (obwohl vermutlich eher aus Vorderasien stammend). Aristoteles beschrieb die Feigenwespe, wie sie die jungen Feigen besuchen, Theophrastos nannte die Kaprifikation und auch Plinius widmete der Feige ein eigenes Kapitel. Die Feige ist eine der sieben FrĂŒchte des Gelobten Landes (5.Mose) und waren frĂŒher ein wichtiges Nahrungsmittel der Bevölkerung. Das Mittelmeergebiet produziert 90% der Weltproduktion. Bei uns kommen Feigen hauptsĂ€chlich aus der TĂŒrkei (fast drei Viertel) und Griechenland (fast ein Viertel), der Rest aus Italien und Spanien. Junge FeigenbĂ€ume wachsen schnell und tragen etwa ab dem siebten Jahr. Im Alter von ca. 50 Jahren werden die Ernten unergiebig. Schon Aristoteles beobachtete die BlĂŒtenbiologie der Wilden Feige, F. G. Barth (Biologie einer Begegnung, 1982; Bibl. Fb Biologie G 870:3) beschreibt den Mechanismus im Detail. Das bestĂ€ubende Insekt ist die Feigen-Gallwespe (nach Hepper und Mabberley Blastophaga psenes, laut Polunin und Rauh B. grossorum), deren Weibchen sich mĂŒhsam und nicht ohne Verluste durch eine kleine, von SchuppenblĂ€ttern (TragblĂ€tter der BlĂŒten) verschlossene apikale Öffnung (Ostiolum) der ersten Feigengeneration (Profichi) zwĂ€ngt und mit ihrem Legestachel die Eier durch den kurzen Griffel in die Fruchtknoten dieser BlĂŒten (GallenblĂŒten genannt, machen zwei Drittel der BlĂŒten eines BlĂŒtenstandes am Grunde des Bechers aus) legt. Damit ist ihr Leben erfĂŒllt. Es entwickeln sich Gallen, durch die Eiablage induzierte Wucherungen des Pflanzengewebes, in denen sich die Wespenlarven entwickeln. Gesteuert von der CO2-Konzentration (anfĂ€nglich rund 10%) schlĂŒpfen zunĂ€chst die MĂ€nnchen. Sie suchen die Gallen der Weibchen bohren sich einen Weg durch die Gallenwand zu den noch nicht geschlĂŒpften Weibchen und begatten sie schon in diesem Stadium. Danach bohren die MĂ€nnchen BelĂŒftungskanĂ€le durch die Fruchtstandswand, wodurch die CO2-Konzentration auf unter 2% absinkt. Dies lĂ€hmt die MĂ€nnchen, regt aber das SchlĂŒpfen der Weibchen sowie die Reifung der mĂ€nnlichen BlĂŒten (ein Drittel der BlĂŒten) an, welche um das Ostiolum herum stehen. Die bestĂ€ubten Weibchen verlassen die Feige durch die BelĂŒftungskanĂ€le der MĂ€nnchen. Diese Generation von Feigen (reifen im Juni-Juli, sind hart und ungenießbar) werden Profichi genannt, da sie die FrĂŒheste ist (werden Febr. bis MĂ€rz angelegt). Die entflogenen Weibchen suchen nun die zweite Feigengeneration, die Fichi (Ende Mai angelegt), auf, welche nur weibliche, langgriffelige fertile BlĂŒten besitzt. Hier lĂ€dt sie den Pollen ab, kann aber wegen der langen Griffel ihre Eier nicht ablegen. Die Fichi liefern ab September reife, fertile und genießbare FruchtverbĂ€nde. Um Ihre Eier loszuwerden findet das Weibchen schließlich die dritte Feigengeneration (Mamme genannt, angelegt im September), welche nur GallenblĂŒten (fertile, kurzgriffelige weibliche BlĂŒten) trĂ€gt. Hier können die Eier abgelegt werden, die Weibchen sterben und die Eier ĂŒberwintern hier. Im nĂ€chsten FrĂŒhjahr schlĂŒpfen weibliche und mĂ€nnliche Gallwespen, die Befruchtung findet wie fĂŒr die Profichi beschrieben in der Mamme statt. Die Mamme liefern nur ungenießbare FrĂŒchte. Die Weibchen verlassen die Mamme, finden die Profichi und legen dort die nĂ€chste Wespengeneration, die beim Verlassen der Profichi wieder die Pollen auf die Fichi-BlĂŒten ĂŒbertragen. Dieser Zyklus gilt fĂŒr die Wildfeige. Aus dieser sollen sich die beiden Kulturfeigen var. caprificus (nur mĂ€nnliche BlĂŒten und GallenblĂŒten) und var. domestica (nur sterile und fertile langriffelige weibliche BlĂŒten) entwickelt haben. Diese schalten sich nun in den Zyklus ein, wobei die var. caprificus nur zur Erhaltung der Gallwespe da zu sein scheint (sie produziert keine essbaren FrĂŒchte) und die var. domestica nun sogar drei essbare Feigengenerationen hervorbringen kann (wobei meist jedoch nur eine oder zwei zur Vollreife gelangt). Auch die Generationen der Kulturfeigen haben Namen: bei der var. domestica sind dies 1. Fiori di Fico, enthalten unbestĂ€ubte (weil die Wespen ja aus den Mamme der var. caprificus kommen!) weiblich BlĂŒten, FruchtverbĂ€nde fallen meist frĂŒhzeitig ab; 2. Pedagnuoli (bilden fertile FrĂŒchte, die BestĂ€uber kommen von den Profichi der var. caprificus) und 3. Cimaruoli (ebenso, BestĂ€uber kommen von der 2. Generation der var. caprificus, Mammoni (statt Fichi) genannt). Seit alters her hĂ€ngt man Zweige der var. caprificus, der Bocksfeige, in die BĂ€ume der var. domestica, ein Vorgang der Kaprifikation genannt wird, um die BestĂ€ubung aller möglichen Generationen zu sichern. Heute jedoch gibt es parthenocarpische Formen ohne mĂ€nnliche BlĂŒten, die auch ohne BestĂ€ubung genießbare FruchtverbĂ€nde entwickeln.Der Milchsaft grĂŒner Feigen wurde gegen Hautkrankheiten und Warzen eingesetzt, unreife FrĂŒchte sind, wie auch BlĂ€tter und Sprossachsen der ganzen Gattung (etwa Zimmerpflanzen wie Ficus pumila, F. elastica, F. benjamina) ganze Pflanze giftig (wie immer: die Menge macht das Gift). Der Milchsaft von Feigen besteht hauptsĂ€chlich aus Harz, Kautschuk, Furocumarinen (vom RiesenbĂ€renklau (Heracleum mantegazzianum) berĂŒchtigt wegen der Photokontaktdermatitis) und Enzymen. Letzere wirken Ă€hnlich wie die der Papaya (Carica papaya), also eiweißspaltend. Die Feige wird oft in der Bibel erwĂ€hnt, die berĂŒhmteste Stelle: Eva und Adam bedecken ihre frisch erkannte BlĂ¶ĂŸe mit FeigenblĂ€ttern. Es gibt noch eine weitere Feigenart: F. sycomorus (Maulbeerfeigenbaum). ZachĂ€us (der Zöllner) besteigt einen solchen Baum um Jesus besser sehen zu können. Luther ĂŒbersetzte diesen jedoch mit 'Maulbeerbaum', es ist aber nicht die Gattung Morus gemeint.Grob besehen ist die Feige einer Hagebutte nicht unĂ€hnlich, jedoch treten bei der Feige ganze BlĂŒten an die Stelle wo bei der Hagebutte FruchtblĂ€tter stehen. Jede BlĂŒte der Feige wird selbst zu einer Steinfrucht.Die Feigen werden frisch und getrocknet angeboten. Bei der Trocknung kristallisiert der Traubenzucker des Saftes an der OberflĂ€che der Feige aus, daher die weißliche Bemehlung. Feigen, denen diese ZuckerbestĂ€ubung fehlt wurden nach der Trockung kurz in heißes Salzwasser getaucht oder lĂ€ngerer Dampfbehandlung unterzogen, um sie dann in die gewĂŒnschten Packungen pressen zu können. Diese Formen haben bestimmte Namen, etwa Locoum (rechteckige, flache Schachteln), Lerida (runde, flache Schachteln) oder Macaroni-Feigen (lĂ€ngliche Rollen).
Schlagwörter: Asien · Frucht · Obstpflanze
Abbildungen:
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