blatt Cannabis sativa - Morphologie & Geschiche

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Ein Typ der Cannabinoid-Rezeptoren (CB-2) kommt nur auf Zellen des Immunsystems und solchen, die für den Knochenauf- und -abbau verantworlich sind, vor. Welche Funktion diese Rezeproten genau erfüllen wird noch erforscht.
Im Stammhirn befinden sich keine CB-Rezeptoren, was erklärt, wieso es auch bein einer Überdosierung beim Cannabiskonsum zu keiner Lähmung der Atmung kommt.


Wirkstoffe

Die nach der Pflanze benannten prominenten Inhaltsstoffe von Cannabis sativa sind die Cannabinoide. Diese „phenolischen Terpeniode“ leiten sich strukturell von Isoprenen ab und stellen sekundäre Inhaltsstoffe dar. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Cannabinoiden leiten sich aus den verschiedenen funktionellen Gruppen der Moleküle ab. Bisher wurden über 60 unterschiedliche Cannabinoide in Cannabis gefunden, die auch nur in dieser Gattung auftreten. Das wohl bekannteste Cannabinoid ist THC – Tetrahydrocannabinol. Dieses Molekül ist hauptverantwortlich für die psychoaktive Wirkung von Cannabis.

Die Moleküle binden im Körper an sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren (CB-Rezeptoren) des körpereigenen Endocannabinoid-Systems. Hier wurden bisher zwei Rezeportypen beschrieben, die sich nicht nur im Gehirn befinden. Es gibt neben den Cannabis-typischen Stoffen also auch körpereigene Cannabinoide des Menschen, die sogenannten Endocannabinoide. Diese dienen als Modulatoren und Regulatoren für einige natürliche Körperkreisläufe, jedoch ist über die genauen Funktionen noch nicht vieles bekannt. Im Stammhirn befinden sich keine CB-Rezeptoren, was erklärt, wieso es auch bei hoher Dosierung zu keinem Aussetzen der Atmung kommt. Für Interessierte hält Wikipedia eine übersichtliche Beschreibung parat.

Neben THC stellt Cannabidiol – CBD – ein intensiver untersuchtes Cannabinoid dar. Auch diesem Molekül werden leichte psychoaktive Eigenschaften zugeschrieben. So soll ein hoher CBD-Anteil eine sedierende Wirkung haben und zudem mit dem Wirkstoff THC interagieren. Die Wechselwirkungen der einzelnen Cannabinoide sind noch nicht ausreichend untersucht, da sich Studien meist auf einzelne Vertreter dieser Stoffgruppe beschränken.

In nur drei Minuten gibt dieses Video eine kurze Übersicht über das Endocannabinoidsystem.



Aber wieso produziert die Pflanze die Cannabinoide? Ähnlich wie bei anderen sekundären Inhaltsstoffen wie Nikotin oder anderen Nervengiften in Pflanzen kann man von einer Abwehrstrategie gegen Herbivorie ausgehen. Ein ursprüngliches Endocannabinoidsystem in Tieren entwickelte sich schon in ursprünglichen Tunicaten. Die Wirkung von Cannabinoiden ist also kein rein menschliches System, auch bei anderen Tieren wirken diese Stoffe.

THCCannabidiol
Abbildung: Strukturformen von THC (links) und Cannabidiol (Quelle: Wikimedia)

 

THC – Tetrahydrocannabiol

Wie bereits beschrieben ist dieser Stoff hauptverantwortlich für den Rauschzustand des Cannabiskonsums. Es kommt zu Veränderung in der Wahrnehmung, zum Beispiel in Bezug auf Farben und Geräusche. Neben Stimmungssteigerung und Euphorie wird jedoch auch eine sedierende, beruhigende Wirkung beschrieben. Konzentrations-, Lern- und Erinnerungsvermögen werden beeinträchtigt, selten kann es bei Überdosierung auch zu Verwirrtheit und Halluzinationen kommen. Da sich die CB-Rezeptoren auch im Kleinhirn und den Basalganglien befinden, kann es zu motorischen Störungen kommen.
Medizinisch wurde Cannabis schon früh eingesetzt. So wirkt THC  Depressionen und Appetitlosigkeit entgegen, was zum Beispiel in der Behandlung von AIDS-Patient_Innen genutzt wird. Aufgrund der brechreizhemmenden und übelkeitslindernen Eigenschaft ist Cannabis schon in Teilen der USA als Medikament zugelassen, vor allem in der Begleitung von Chemotherapien wird hier großes Potential gesehen. Die schmerzlindernde Eigenschaft machte man sich in unseren Breiten schon im 19. Jahrhundert gegen Regelschmerzen oder Rheuma zu Nutze.

In meiner „Kräuterfiebel“ wird beschrieben, dass die milchige Emulsion aus gepressten Blüten und Samen in Wasser aufgrund der diuretischen  gegen schmerzendes Urinieren, Wassersucht, Entzündungen, sowie Lungenschmerzen und –verengungen hilft. Letzteres kann auf die dilatierende Wirkung von Cannabinoiden in den Bronchien zurückgeführt werden. Auch ein Heilerfolg bei Entzündungen und Star im Auge wird versprochen. Dies wird eventuell dadurch bedingt, dass der Augeninnendruck durch THC gesenkt werden kann.
Wie wir sehen steckt in Cannabinoiden großes medizinisches Potential, was auch die Forschung in den letzten Jahren entdeckt hat. Auch eine hemmende Wirkung auf sich ausbreitende Krebszellen wird diskutiert. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass es sich bei Cannabis um ein Rauschmittel handelt. Eine körperliche Abhängigkeit konnte noch nicht nahgewiesen werden, wohl aber die psychische.
Die Angaben für den THC-Gehalt schwanken je nach Quelle für Marihuana zwischen 1-5% (maximal 15%) und Haschisch zwischen 5-15%.