Klebefallen: Roridula: Tau- oder Wanzenpflanzen

Familie: Roridulaceae
Gattung: Roridula
Arten: Roridula dentata, Roridula gorgonias

Lediglich zwei Arten umfasst die Familie der Wanzenpflanzengewächse, die in der Ordnung der Ericales näher verwandt ist mit der Kiwi (Actinidiaceae) und den Sarraceniaceae als mit dem Sonnentau (Droseraceae). Ihre Klebefalle gilt als eine der stärksten, obgleich sie ihre fallenbestückten „Tentakeln“ nur passiv dazu nutzt. Die gelblichgrünen Fangblätter mit den gestielten Klebdrüsen befinden sich gehäuft am Sprossende stehend und sind in Knospennähe schneckig eingerollt.
Wie Nektartröpfchen im Licht glitzern die Sekretdrüsen der Blätter, die damit sehr anlockend auf Insekten wirken – und tödlich. Hat es ein Insekt nun doch dazu bewogen in die Nähe der Tröpfchen zu kommen, bleibt es entweder mit seinem ganzen Leib daran kleben und verstrickt sich immer mehr in den zahlreichen Klebfallen, aus denen es kein Entkommen gibt...

Ist nun ein Insekt kläglich in den Fallen gestorben, kommen die Wanzen ins Spiel, wegen derer die Pflanze ihren Namen trägt. Zwei Arten von Raubwanzen (Pameridea marlothii und Pameridea roridulae) sowie die Krabbenspinne Synemaa marlothii haben sich auf das Leben zwischen den todbringenden Drüsenstielen derart hochgradig spezialisiert, dass sie sich ungehindert auf den klebrigen Blättern fortbewegen können. So ernähren sie sich fortwährend von der Beute, die die Pflanze fängt.

Doch welchen Vorteil bringt die Symbiose mit den Wanzen nun der Pflanze? Die Roridula verwertet ihren Fang indirekt durch die Ausscheidungsprodukte der Wanzen sowie durch Reste, die auf den Blättern liegen bleiben und als Dünger fungieren. Diese werden direkt über die Blattoberfläche aufgenommen. Außerdem werden die 5-zähligen Blüten von den Wanzen bestäubt. Die Wanzen profitieren dabei als Kommensalen und Untermieter von dieser Beziehung. Die Spinnen als eigennützige Kommensalen erfreuen sich nicht nur an den Fängen sondern auch an den Wanzen zum Nachteil der Pflanze, die mit den Wanzen 70% ihres Stickstoffbedarfes deckt.
Als nahrhafte Beute dienen der Pflanze zumeist größere Fliegen, Wespen, Hautflügler, Schmetterlinge und sogar Libellen.

Diese Pflanze wäre ein gutes Beispiel für Präkarnivorie: eine „primitive“ Pflanze auf dem Weg zur echten Karnivorie.
Zu klären bleibt nur, ob es für Roridula vielleicht günstiger ist Wanzen mit der Verdauung zu beauftragen als selbst Enzyme zu produzieren?