Das Capitulare de villis
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Karl der Große
Gemälde von A. Dürer (1512)

Quelle: wikimedia.org
Die Verwalter Karls des Großen hatten überall im Frankenreich Güter und Pfalzen, von denen aus sie ihre administrativen Aufgaben erfüllten. Gesetze und Verordnungen des Kaisers wurden als Abschriften an jede Verwaltungsstelle geschickt, damit die dortigen Beamten entsprechend reagieren konnten.
Diese Beschlüsse, die in der Regel Bestimmungen zu militärischen, administrativen und kulturellen enthielten, wurden in Latein verfasst und waren in Kapitel aufgeteilt, die ihnen auch ihren Namen "Kapitularien" verliehen.

Die nebenstehende Abbildung zeigt die Unterschrift Karls des Großen, ein stilisiertes "Karolus", mit der die kaiserlichen Anordnungen signiert wurden. Tatsächlich schrieb der Kaiser aber gar nicht die gesamte Unterschrift selbst, sondern machte nur den kleinen Haken in der Raute in der Mitte. An diesem Merkmal sind Fälschungen gelegentlich zu erkennen.



Unterschrift von Karl dem Großen

Quelle: wikimedia.org

Das "Capitulare de villis vel curtis imperii" nun ist eine Verordnung, die vermutlich 812 n. Chr. verfasst wurde und detailliert festlegt, wie die kaiserlichen Höfe und Güter zu bestellen wären und welche Vorschriften dabei zu beachten seien. Aus botanischer Sicht besonders interessant ist dabei eine Aufstellung von rund 90 Pflanzen, die die Verwalter der kaiserlichen Güter auf ihren Ländereien anpflanzen sollten (soweit klimatisch möglich).


"Capitulare de villis"
Seite aus dem 70. Kapitel

Quelle: wikimedia.org

So solle man beispielsweise im Garten haben:

  • lilium
(Schwertlilien)
  • rosas
(Hunds-Rosen)
  • fenigrecum
(Griechisch-Heu)
  • costum
(Frauenminze)
  • salviam
(Salbei)
  • rutam
(Weinraute)
  • abrotanum
(Eberraute)
  • cucumeres
(Gurken)
  • pepones
(Zucker-Melonen)
  • cucurbitas
(Kürbisse)
  • fasiolas
(Helmbohnen)
  • u.v.m.

In dieser Verordnung wurden viele weitere Dinge geregelt: Etwa wieviel Geschirr exakt im Hause sein musste, um kaiserlichen Besuch bewirten zu können, wie viele Tischtücher und welches Werkzeug, aber auch wie Wein zu stampfen sei oder welches Futter an welche Tiere zu verfüttern sei, wird penibel aufgeschlüsselt.
Auf der nächsten Seite sollen einige Pflanzen aus dem Capitulare beispielhaft vorgestellt werden.

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