Mit dem Eintritt in die Kita beginnt für das Kind ein neuer Lebensabschnitt mit vielfältigen Eindrücken. Die Eingewöhnungsphase stellt einen wichtigen Entwicklungsschritt für das Kind dar. Sie variiert je nach Entwicklungsstand des Kindes, geht aber mit einer Reihe von spezifischen Erwartungen an die Erzieherinnen und die Eltern einher.
Eltern sollen sich für die Eingewöhnungsphase (etwa drei bis fünf Wochen) Zeit nehmen und dem Kind Zeit lassen. Sie können in dieser Zeit das Kind nicht einfach in der Kita "abgeben" und dann weggehen. Der Zappel-Philipp versteht sich nicht als Aufbewahrungsstätte, sondern als pädagogisch sinnvolle und wirkungsvolle Institution. Für Kinder unter 18 Monaten wird die Betreuungsdauer individuell von den Erzieherinnen festgelegt. Ein Tag in der Kita ist für die Kinder lang. Sie sind zwei bis drei Stunden mit rund 30 anderen Kindern zusammen, bevor sie zwei Stunden schlafen können. Und nach dem Schlaf stehen ihnen erneut bis zu zwei Stunden mit den anderen Kindern bevor. Das ist anstrengend für die Kleinen, erfahrungsgemäß sind sie nach rund 6 Stunden überanstrengt und müde und sollen daher bis spätestens 15.00 Uhr abgeholt werden.
In der Kita trifft das Kind auf eine völlig neue Um- und Mitwelt. Es bekommt plötzlich viele "Geschwister" und zwei, manchmal auch drei neue Bezugspersonen. All das muss das Kind erst einmal verkraften und verarbeiten. Die Erzieherinnen warten erst einmal ab und nehmen dann langsam, aber stetig Kontakt mit dem Kind auf – sie geben Hilfestellung beim Spiel, sprechen das Kind bei Bildbetrachtungen an, motivieren es zum Mitmachen. So versuchen sie einen Bezug zum Kind herzustellen. In Konfliktsituationen wägen sie jede Art des Einschreitens genau ab. Sie mischen sich so wenig wie möglich in die Interaktionen der Kinder ein.
Man wundert sich oft, wie schnell die Kinder miteinander in Kontakt treten und sich trotz individueller Kindssprache oft nonverbal verständigen können.
Eine positive Grundeinstellung der Eltern und deren Vertrauen in die Arbeit der Betreue/innen ist für das Gelingen der Eingewöhnung sehr wichtig. Die Eltern müssen den Erzieherinnen zutrauen, dass sie diverse Situationen genauso einschätzen können wie sie. Damit sich das Vertrauen zwischen Eltern und Erzieherinnen bildet, müssen sie ständig in Kontakt miteinander sein. Dieser Kontakt ermöglicht auch einen guten Kontakt zwischen Kind und Erzieherinnen. Das Verhalten der Kinder hängt nämlich stark von den inneren Überzeugungen und dem Verhalten der Eltern ab. Das zeigt sich oft in Abschiedssituationen, wenn Mutter oder Vater sich vom Kind trennen müssen. Sind Eltern beim Gehen unsicher und zögern beispielsweise immer wieder, aus dem Raum zu gehen und das Kind in andere Obhut zu geben, nachdem sie sich bereits verabschiedet haben, wird das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Unsicherheit beim Bleiben verspüren. Treten Fragen auf oder sind Sachverhalte unklar, sollten die Eltern sofort mit den Erzieherinnen Rücksprache halten. Umgekehrt halten es die Erzieherinnen genauso. Viele Eltern wundern sich, dass ihr Kind zu Hause ein völlig anderes Verhalten zeigt. Dabei ist das eine normale Reaktion. Um den Ablöseprozess des Kindes zu unterstützen, sollten die Eltern aktiv am täglichen Gruppengeschehen teilnehmen. Wünschenswert ist dabei, dass sie sich neben dem eigenen Kind auch um die anderen Kinder kümmern und sich an den hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie dem Tischabräumen oder -abwischen beteiligen.
Erfahrungsgemäß beobachtet das Kind in der Eingewöhnungsphase die Kinder, die Erzieherinnen und die Gruppe erst einige Tage, bevor es alleine oder mit anderen intensiv zu spielen beginnt. Diese Art des Beobachtens ist für die Kontaktaufnahme der Kinder untereinander sehr wichtig. Kein Kind sollte deshalb zum Spiel gezwungen werden - auch nicht um die Eltern zu beruhigen.
Manche Kinder weinen beim Abschied. Das erschreckt einige Eltern. Diese Eltern sollten sich aber klar machen, dass jeder Abschied Traurigkeit hervorrufen kann und Kinder ein Recht auf ihre Tränen haben. Deshalb unterdrücken die Erzieherinnen die Trauerreaktion der Kinder nicht. Die Kinder sollen den Abschied bewusst erleben und den Trennungsschmerz ausleben können. Die Eltern sollten immer auf den bevorstehenden Abschied hinweisen, das Kind könnte sich sonst betrogen fühlen. Allerdings sollten sie beim Weggehen nicht zögern oder unverhofft wiederkommen, nachdem sie sich eigentlich schon verabschiedet hatten. Denn damit könnten sie beim Kind eine heftigere Trauerreaktion auslösen, als dieses von sich aus gezeigt hätte.
Erfahrungsgemäß leiden auch die Eltern oft unter Trennungsschmerz und haben Ablöseschwierigkeiten. Sie können sich anfangs in der Kita in einem anderen Raum aufhalten, im Lauf des Vormittages anrufen oder sich mit anderen Eltern, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, austauschen.
Auf ein verabredetes Zeichen hin übernehmen die Erzieherinnen das Kind. Der Abschied sollte anfangs ritualisiert und immer sehr ähnlich sein, damit das Kind aus dem gleichförmigen Ablauf die Sicherheit gewinnen kann, dass Mutter oder Vater wieder kommen. Diese Sicherheit wird mit dem Abschiedsritual praktisch eingeübt.
Zu Beginn der Eingewöhnungsphase verlässt der Elternteil, der die Eingewöhnung übernimmt, den Raum, in dem er sich mit dem Kind aufhält, immer mal wieder für circa zehn Minuten. Die Dauer der Abwesenheiten wird dann von Tag zu Tag ausgedehnt. Ist das Kind daran gewöhnt, morgens alleine in der Kita zu sein, beginnt die Eingewöhnung zum Schlafen. Jedes Kind hat seinen eigenen Schlafplatz an einem festgelegten Ort, der einen Bereich der Geborgenheit darstellen soll. Um ein Gefühl von Sicherheit und Behütetsein zu unterstützen, kann das Kind zum Schlafen einen vertrauten Gegenstand von zu Hause mitbringen, ein Kuscheltier zum Beispiel, ein Kissen, eine Puppe oder einen Schnuller.
Die Eltern sollten ihrem Kind gegenüber Wort halten so gut es geht und immer den Versuch unternehmen, es zum verabredeten Zeitpunkt abzuholen. Auch kleine Kinder merken sich genau, ob der eingewöhnende Elternteil die Rückkehr für "nach dem Essen" oder "nach dem Schlafen" angekündigt hat und orientieren sich daran. Eingehaltene Absprachen stärken ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und erleichtern die Ablösung von den Eltern.
Holen die Eltern das Kind dann ab, sollten sie sich auch dafür Zeit nehmen und ganz für das Kind da sein. Kleinere Erledigungen wie etwa Schuhe oder Jacke holen sollten entweder verschoben oder gemeinsam mit dem Kind unternommen werden. Auch das Abholen braucht Zeit, oft wollen die Kinder den Eltern noch etwas zeigen, ein gelungenes Gemälde etwa oder ein besonders schönes Spielzeug oder die Eltern müssen noch etwas mit den Erzieherinnen besprechen.
Ein Kind, das all diese Erfahrungen in der Kita gemacht hat, wird über kurz oder lang dazu gehören und sich wohl fühlen. Das Kind bewältigt den Kita-Alltag gut und fühlt sich in der neuen Umgebung wie Zuhause.
Hier schildern ein paar Eltern die Eingewöhnungszeit ihrer Kinder im Zappel-Philipp.