 

Klein sei er von Person, womit Luther und andere
seiner berühmten Zeitgenossen aber mehr den Machtbereich seines
Hessenlandes als seine Körpergröße meinten. Vermessen
schien deshalb vielen sein Ehrgeiz, verwegen sein Mut, skrupellos
und revolutionär seine Politik, die sich auf weite Teile Europas
richtete. Zu seinen entschiedensten Feinden zählten keine Geringeren
als Kaiser und Papst, zu seinen engen Verbündeten der glanzvolle
Königshof in Frankreich und die protestantischen Fürsten
von Sachsen und Württemberg, denen er als militärischer
Hauptmann voranritt. Im Einverständnis mit den Reformatoren
löste Philipp zum Zwecke des „gemeynen Nutz“ die
Klöster Hessens auf und gründete an deren Stelle neue
Schulen, Hospitäler und Universität, die noch heute bestehen.
Eben 25-jährig glaubte er, die theologischen Streitigkeiten
der evangelischen Wortführer in einem international besetzten
„Religionsgespräch“ schlichten zu können,
schuf eine eigene Kirchenordnung, reformierte seine Landesverwaltung
von Grund auf und kämpfte gegen kaiserliche Truppen, rebellische
Ritter und aufständische Bauern. Auf dem Höhepunkt seines
Erfolges lieferte er sich wegen seiner leidenschaftlichen Liebe
zu einem Hoffräulein, die er mit einer Doppelehe besiegelt
hatte, seinen Gegnern aus. Als gefährlichster Anführer
der im ersten neuzeitlichen Glaubenskrieg eskalierenden Luthersache
musste er sich dem Kaiser unterwerfen und wurde schließlich
fünf Jahre lang fern der Heimat in demütigende Gefangenschaft
gesetzt.
Landgraf Philipp von Hessen, 1504 in Marburg geboren
und 1567 in Kassel verstorben, gilt unbestritten als eine der profiliertesten,
schillerndsten und dramatischsten Gestalten der deutschen Geschichte.
Sein Beiname Magnanimus – der Großmütige
– signalisiert die umfassende Wertschätzung die ihm von
den Reformatoren, seinen europäischen Verbündeten und
nicht zuletzt auch von seinen Landsleuten zugestanden worden ist.
In seiner Biographie bündeln sich nahezu alle großen
Umwälzungen am Beginn der Neuzeit.
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