Grab und Grabstätte

Als ehem. Professor der Albertus-Universität wurde Immanuel Kant nach seinem Tode (12.02.1804) in dem Professorengewölbe am Dom beigesetzt. Neben einigen Schriftstücken so sind es auch Photographien und Abbildungen, die von einer bewegten Geschichte um das Grab Immanuel Kants, oder auch "STOA KANTIANA", wie es zeitweilig hieß, erzählen.
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Sechzehn Tage nach seinem Tode am 12. 02. 1804 wurde Immanuel Kant im Professorengewölbe beigesetzt. Die Arkaden entlang der Nordseite des Domes wurden seit ihrer Errichtung im 16. Jhdt. bis zum Beginn des 19 Jhdt. als Ruhestätte für die Professoren der Albertus-Universität, ihrer Frauen und ihrer unverheirateten Kinder genutzt. Einer Notiz in der Autobiographie des Kriegsrat Scheffner entsprechend, wurde die ursprüngliche Ruhestätte Kants 1809 an das Ostende der Arkaden verlegt, da sich das Professorengewölbe in einem unbrauchbaren Zustande befunden hätte und gänzlich mit Ziegeln ausgelegt wurde. Diese Stelle wurde durch einen Stein kenntlich gemacht, der die Aufschrift trug:

Sepulcrum Immanuelis Kant
Nati a. d. X Calend. Maji a. MDCCXXIV
Denati pridie Id. Februar a. MDCCCIV
Hoc monumento signavit amicus Scheffner MDCCCIX

Während nun das Professorengwölbe zu einer Spazierhalle für Studierende und Lehrende umgewandelt wurde, hat man, wieder auf Anregung Scheffners, den östlichsten Teil mit der jetzigen Grabstätte des Großen Königsbergs, durch ein Gitter abgetrennt und ihm den Namen "STOA KANTIANA" verliehen. Nur wenige Monate später, am 20. April 1810, dem Geburtstage Kants, wurde der Raum durch ein Büste des großen Philosophen oberhalb des Gedenksteines ergänzt. Noch zu Lebzeiten Kants wurde diese von Fr. Hagemann modelliert und dann von von Schadow in karrarischem Marmor ausgeführt, in welcher Form sie dem akademischen Senat übergeben wurde. Bereits nach wenigen Jahren jedoch fand das Abbild des Philosophen ihren Weg zurück in das Collegium Albertinum, wo sie auch bis zur Plazierung am Grabe verweilt hatte. Dies geschah vor allem, weil die STOA immer mehr verkam, langsam wurde sie zu einem Zufluchtsort für Obdachlose.

Grabstätte Ende 19.
Jhdt. Im Jahre 1871 regte dann schließlich Professor August Müller zur Gründung eines Comiteé, das sich mit der Instandsetzung der Grabstätte befassen sollte. Neun Jahre später hatte man das Ostende der Arkaden durch den Bau einer einfachen gotischen Kapelle bereits erheblich ansehnlicher gestaltet. Kurz vor Beendigung der Bauarbeiten im Frühjahr 1880 beschloß man desweiteren, ein Gewölbe unter den Boden der Kapelle zu mauern und darin die Gebeine Kants in einem Metallsarg witterungsgeschützt aufzubewahren. Dazu war es jedoch nötig die Überreste des Verstorbenen zu bergen. Dieses Unterfangen stellte sich jedoch erheblich komplizierter dar als vermutet.
Wie man durch Recherche feststellte, lag in unmittelbarer Nähe nur der Professor der Theologie und Oberhofprediger Johann Ernst Schulz, dennoch mußte man sie sicher unterscheiden können. Als wichtigstes Merkmal sollte der Schmuck des Kantschen Sarges dienen, nach Boeckel aus Griffen in Schlangenform und zwei ovalen Platten mit goldener Aufschrift bestehend.

ovale Platte in Form einer Urneovale Platte mit Eichenkranz
Cineres
mortales
immortalis
KANTII
Orbi
datus
d. XXII. Aprilis 1724
ereptus
d. XII Febr. 1804

Ausgrabung der Gebeine
KantsBei der Öffnung des Grabes allerdings stieß man bald auf Tierknochen und menschliche Knochen verschiedener Alter, so daß erst mal wieder abgebrochen wurde, bis man sachkundige Hilfe in div. Professoren der Anatomie und Medizin fand. Am 22. Juni konnte es also weitergehen. Schließlich wurde nur die erstgenannte der Platten, die übrigens keine Urnenform aufwies, und zwei Griffe neben einem von zwei Skeletten gefunden. Dies hielt man dann auch für die Überreste des Philosophen, um jedoch sicher zu gehen, verglichen die Anatomen nun die bekannten Eigenarten des Kantschen Körpers mit dem Knochenbau des Skelettes. Entscheidend jedoch war die abschließende Gegenüberstellung des gefunden Schädels mit einem Gipsabdruck des Schädels Kants, der kurz nach seinem Tode gemacht worden war.
Am 21. November 1880 konnte die erneute Beisetzung der identifizierten Gebeine in metallenem Sarg und der eigens für Immanuel Kant ausgehobenen Gruft stattfinden. Desweiteren hat man dem Sarg eine Glasröhre beigefügt, die Akten über die Ausgrabung enthielt. Darunter befanden sich neben einem Bericht von Prof. Heydeck zu den Geschehnissen ein anatomischer Untersuchungsbericht der Skelette mit einem Auszug aus der Schrift von Professor Kupffer und (cand. med.) Fritz Bessel Hagen über die anatomisch-anthroplogische Bearbeitung des Schädels Immanuel Kants.

Innenansicht der
Grabstätte

Die Wandelhalle, das ehem. Professorengewölbe, mußte 1898 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Die "STOA KANTIANA", wegen mangelnder Pflege selbst in immer schlechterem Zustand, blieb aber noch stehen. Erst zur Zeit der Domrenovierung in den Jahren 1905/07 überlegte man, das Grab des berühmtesten Königsbergers an einen ehrwürdigen Platz im Innern des Doms zu verlegen. Dieser Plan jedoch stieß auf heftigen Widerstand und verlief sich.

Das heutige Grab

1924 -
200. Geburtsjahr des Großen der preußischen Geschichte und internationale Feierlichkeiten standen ins Haus. Da wollte man sich keine Blöße geben und faßte einen Neubau ins Auge. Da aber weder Staat noch Kirche bereit waren, diese Sache auch finanziell zu unterstützen, mußte das Geld für den Bau aus privater Hand kommen. Hugo Stinnes, der mit seinem Riesenkonzern das ostpreußische Wirtschaftsleben beherrschte, fand sich als Finanzier.
Friedrich Lahrs, Architekturprofessor an der Königsberger Kunstakademie, entwarf schließlich die Grabstätte, wie wir sie heute noch kennen, indem er die geradlinigen Bauformen seiner Zeit mit denen der Ordensgotik vereinigte. Das eigentliche Grabmal in der Gruft mußte für diesen oberirdischen Neubau nicht angerührt werden.



Benutzte Literatur:
Bessel Hagen, Fritz, Die Grabstätte Immanuel Kants, Königsberg Nov. 1880.
Gause, Fritz, Kant und Königsberg, Leer/Ostfriesland 22. April 1974.


Dazu ein weiterführender Vortrag von Werner Stark

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Erste Fassung: 20.10.1997 // Letzte Änderung: 27. Oktober 2004